Wir haben drei Kinder groß gezogen, und ich hab mich manches Mal gefragt: „Wie funktioniert das überhaupt? Was mache ich hier eigentlich?“ Die werden ja ohne Bedienungsanleitung geliefert. Erziehung ist Versuch am lebenden Objekt. Aber wie machen wir das? Und warum? „Kinder, Kinder!“
Wir wissen: Gott hat uns als sein Ebenbild geschaffen. Unsere Aufgabe ist es, in der Welt seinen Willen zu tun und sein Wesen zu repräsentieren. Wir haben das ganz schön vermasselt und den Kontakt zu Gott verloren, aber das ändert nichts an unserer Würde und unserer grundsätzlichen Bestimmung.
Diese Bestimmung zieht sich durch die Bibel: Gott erwählt Abraham und das Volk Israel, damit sie mit ihm verbunden sind und an ihnen etwas von Gottes Größe und Schönheit sichtbar wird: „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig“, sagt Gott am Sinai zu Israel (vgl. Leviticus 19,2). Was bedeutet das für die Erziehung unserer Kinder und wie machen wir das? (Übrigens gilt fast alles hier nicht nur für Eltern, sondern für alle, die Kinder auf ihrem Weg begleiten.)
Mose spricht zum Volk Israel:
1 Ich sage euch jetzt die Gesetze und Rechtsbestimmungen, die der HERR, euer Gott, euch gegeben hat. Ihr sollt sie euch einprägen, damit ihr danach handelt, wenn ihr das Land in Besitz genommen habt, in das ihr jetzt hinüberzieht. 2 Nehmt den HERRN, euren Gott, ernst und befolgt stets seine Anweisungen, die ich euch heute sage, ihr und eure Kinder und die Kinder eurer Kinder. Tut es euer Leben lang, dann wird der HERR euch auch ein langes Leben schenken.
3 Höre nun seine Gebote, Volk Israel, und befolge sie, damit es dir gut geht und du ein großes Volk wirst in dem Land, das von Milch und Honig überfließt, so wie der HERR, der Gott eurer Vorfahren, euch das versprochen hat.
4 Höre, Israel! Der HERR ist unser Gott, der HERR und sonst keiner. 5 Darum liebt ihn von ganzem Herzen, mit ganzem Willen und mit aller Kraft.
(Deuteronomium 6,1-5)
Von Generation zu Generation
Nach 400 Jahren in Ägypten und 40 Jahren in der Wüste stehen die Israeliten endlich kurz vor dem gelobten Land. Aber sie preschen nicht einfach drauflos, sondern halten inne und besinnen sich auf ihren Fokus. Hier geht’s um Eltern und Kinder und das, was es wert ist, dass wir es über Generationen weitergeben. Der Bildungs- und Erziehungsauftrag kommt direkt von Gott.
Mose spricht zu ihnen und erinnert die Israeliten an die Werte, an denen sie sich orientieren, und an die Regeln, nach denen sie ihr Leben ausrichten. Die Werte, an denen sie sich orientieren, haben sie nicht von der Gesellschaft übernommen, in der sie gelebt haben – obwohl das die bewunderte ägyptische Hochkultur war. Sie haben ihre Werte von Gott. Denn Gott ist für sie real geworden: Sie haben ihn erlebt!
Als sie gefangen waren und versklavt, ist Gott ihnen begegnet und hat sie befreit. Gott ist für sie der höchste Wert geworden. Wer sie sind und wie sie jetzt sind, soll etwas von Gott widerspiegeln. Gottes Charakter soll an ihnen sichtbar werden!
Der höchste Wert
Es macht absolut Sinn, Gott als den höchsten Wert zu nehmen und alle Werte von ihm abzuleiten. Er ist der Schöpfer und die Quelle alles Lebens. Er ist der einzige, der sich nicht irrt und der durch und durch gut ist.
Wenn der höchste Wert nicht passt, dann wird auch alles andere irgendwie schräg. Wenn der höchste Wert nicht Gott ist, sondern meine Autonomie oder mein Erfolg oder meine Selbstentfaltung, dann bin ich mein höchster Wert. Und werde meinen Mitmenschen schaden. Deshalb ist es so entscheidend, was wir verehren und anbeten. Deshalb: „Höre Israel! Der HERR ist unser Gott, der Herr und sonst keiner.“ Viele Jahre später wiederholt und bekräftigt Jesus diese Worte: „Darum liebt Gott von ganzem Herzen, mit ganzem Willen und mit aller Kraft.“ (Markus 12,29f)
Gott ist ihr höchster Wert. Also kommen auch die Regeln, nach denen sie leben, von Gott! Der Kern sind die Zehn Gebote: Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren. Du sollst nicht töten. Du sollst nicht die Ehe brechen. Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht Unwahres über deinen Mitmenschen sagen. Du sollst nichts haben wollen, was deinem Mitmenschen gehört. – Wenn wir danach leben, ist die Welt ein besserer Ort!
Ganz und ungeteilt
Wenn wir die richtigen Werte und gute Regeln haben, dann ist es auch wichtig, darin konsistent zu sein: „Tut es euer Leben lang“, hören wir. „Lasst euer ganzes Leben davon prägen!“
6 Behaltet die Gebote im Gedächtnis, die ich euch heute verkünde! 7 Prägt sie euren Kindern ein und sagt sie euch immer wieder vor – zu Hause und auf Reisen, wenn ihr euch schlafen legt und wenn ihr erwacht. 8 Bindet sie euch zur ständigen Erinnerung an den Arm und auf die Stirn. 9 Schreibt sie auf die Türpfosten eurer Häuser und auf die Tore eurer Städte.
(Deuteronomium 6,6-8)
Fromme Juden setzen das bis heute um: Mit Gebetsriemen um den Arm und um die Stirn und Kapseln mit Heiliger Schrift an den Türrahmen. Der Gedanke ist, dass Gottes gute Regeln unser ganzes Leben prägen sollen: Unser Denken und unser Tun, wenn wir rausgehen und wenn wir heimkommen. Denn nur ein ganzheitliches Leben ist ein sinnvolles Leben.
Gerade für Kinder ist es wichtig, dass Du konsistent bist und nicht heute so und morgen anders. Kinder wollen sich darauf verlassen können, welche Regeln gelten!
Wenn ein Kind im Supermarkt was haben will und Du schon fünfmal „Nein“ gesagt hast, darfst Du nicht beim sechsten Mal quengeln schwach werden. Es ist auch nicht wichtig, dass Du Dein Kind überzeugst, indem Du ihm Deine Beweggründe offenlegst, warum es jetzt nichts haben kann. Wichtig ist, dass Dein Kind lernt und bekräftigt bekommt: Ja heißt ja und Nein heißt nein.
Warum es zählt
Jetzt passiert etwas Interessantes: Mose verknüpft das Leben im gelobten Land mit den richtigen Werten und Regeln! Das sehen wir in den Versen 1 bis 3. Er sagt: „Handelt danach! [D]ann wird der HERR euch
1. ein langes Leben schenken,
2. du wirst ein großes Volk werden und
3. es wird dir gut gehen
in dem Land, das von Milch und Honig überfließt[.]“
Gott hat das dem Volk schon vorher in der Wüste am Berg Sinai deutlich gemacht: „Ihr müsst mit euren Kindern nach diesen Regeln leben, um im gelobten Land zu bleiben. Wenn ihr das nicht tut, dann wird es kein gelobtes Land mehr für euch sein. Ihr werdet es verlieren.“[1]
Wenn ich das gelobte Land als Bild für das Leben mit Kindern aufgreife, meine ich damit natürlich nicht, dass alles perfekt ist und es keine Probleme gibt. So ist es für das Volk Israel ja auch nicht gewesen im gelobten Land. Ich meine damit, dass es einen guten Rahmen gibt, damit das Leben gelingt. Ein guter Boden, auf dem Menschen die besten Voraussetzungen haben, aufzublühen und zu wachsen und in gesunden Beziehungen zu leben.
Sich aufopfernde Liebe
Das beste Vorbild für unsern Umgang mit Kindern ist, wie Gott mit uns umgeht. Er ist der perfekte Vater und genauso wie eine liebevolle Mutter.[2] Er gibt uns gute Regeln, damit das Leben gelingt. Seine Liebe müssen wir damit aber nicht verdienen. Er liebt uns ohne Bedingungen mit aufopferungsvoller Liebe – das sehen wir in Christus am Kreuz.
Das gilt auch für Eltern: Elternsein bedeutet, Opfer zu bringen und sich hinzugeben! Das bedeutet nicht, sich aufzugeben – Gott hat sich nicht aufgegeben. Aber er hat sich hingegeben. Es hat ihn etwas gekostet, uns zu lieben!
Und es kostet auch uns etwas, unsere Kinder zu lieben. Familie ist ein Stück weit Chaos. Mit Kindern ist immer irgendwas. Eltern haben wenig Zeit für sich, wenig Kraft für anderes, und oft auch wenig Geld. Dafür viel zu lachen, zu reden und zu spielen. Und jede Menge Sinn.
Das Leben mit Kindern braucht Zeit. Und die Zeitplanung braucht Puffer. Übrigens: Als die 40-Stunden-Woche erfunden wurde, ist man davon ausgegangen, dass einer aus der Familie 40 Stunden berufstätig ist!
Die wichtigste Voraussetzung, damit ein Mensch sich geliebt fühlt, ist Zeit. Mütter werden oft gefragt: „Arbeitest du?“ „Nein. Ich lieg den ganzen Tag in der Hängematte und lass die Wohnung und die Kinder verwahrlosen.“ Natürlich arbeitest Du!
Du hast vielleicht keinen Arbeitsvertrag. Aber Du hast eine Berufung. Der Kinderarzt Dr. John Trainer hat gesagt:
Kinder sind keine Ablenkung von wichtigeren Aufgaben. Sie sind die wichtigste Aufgabe.[3]
Es klingt vielleicht pathetisch, aber es ist wahr: Wer Zeit mit Kindern verbringt, investiert in die Zukunft der Menschheit!
Das ist nicht immer easy. Kaum jemand bringt Dich vor Liebe so zum Schmelzen und vor Wut so zum Kochen wie Dein Kind. Ein Kind hält Dir den Spiegel vor und fordert Dich zum Wachstum heraus. In der Erziehung bin ich deutlich demütiger geworden. Mit unsern Kindern sind auch wir Eltern gewachsen.
In der Erziehung von Kindern gibt es keine Erfolgsgarantie nach dem Motto: "Wenn ich dieses mache, habe ich jenes Ergebnis." Wir haben es mit kleinen Menschen zu tun, und Menschen machen aus jedem Input etwas eigenes! Wir wissen als Eltern oft nicht weiter. Wir beten viel. Das nimmt viel Druck raus!
In Gottes Hand
Zudem haben wir es mit Gottes Geist zu tun. Wir wissen, das gelobte Land liegt in Gottes Hand, nicht in unserer:
- Er leitet dorthin.
- Er überwindet Hindernisse und Widerstände.
- Er schenkt Segen und lässt alles blühen, wachsen und Früchte tragen.
In der Praxis
Was ist wichtig, damit kleine Menschen einmal Gutes tun können und Gottes Wesen wiederspiegeln? Zum Beispiel:
- Lieben. Liebe kann es nicht zu viel geben! Nur wer sich geliebt fühlt, kann auch andere lieben.
- Reden. Viel! Kommunikation ist gelebte Beziehung. Außerdem lernen Kinder sprechen, indem man mit ihnen spricht. Danni hat den Kindern immer alles erklärt, was sie macht.
- Vorlesen. Ganz wichtige Beziehungszeit. Aber noch mehr: Wir Christen sind wie die Juden Menschen des Buchs. Wir leben davon, das Wort Gottes zu lesen und danach zu leben! Lesen ist für einen Christen die wichtigste Kompetenz, den Glauben selbstverantwortlich zu leben und Mitverantwortung in der Gemeinschaft zu übernehmen.
- Gehorsam lehren. Auch wenn es unserer Gesellschaft nicht passt: Kinder brauchen die Autorität der Eltern. Die Kinder können viele Freunde haben. Aber sie haben nur einmal Eltern. Und die brauchen sie. Sie brauchen auch die Grenzen, die die Eltern ihnen setzen. Und sie müssen lernen, den Eltern zu gehorchen.
Immer wieder erlebe ich Eltern, die versuchen, ihre Kinder zu überzeugen, etwas zu tun oder zu lassen. Das gibt ein Riesentheater, weil das Kind auf dem Entwicklungsstand mit der Entscheidung völlig überfordert ist! Argumente haben ihre Zeit, wenn die Kinder größer sind. Zuerst müssen die Kinder lernen zu gehorchen.
Auch das ist übrigens eine Vorbereitung auf das Leben als Christ: Ich lerne, Gottes Autorität zu achten und ihm zu gehorchen. Weil er größer, gütiger und weiser ist als ich. Und weil ich am Kreuz seine Liebe zu mir gesehen habe! - Sich versöhnen. Wir versagen so oft darin, Gottes Wesen widerzuspiegeln, auch als Eltern! Bitte dein Kind um Entschuldigung, wenn Du etwas falsch gemacht hast. Lass es um Entschuldigung bitten. Und lebe vor, was vergeben bedeutet.
- Mit Gott im Alltag leben. Siehe die Gebetsriemen und Kapseln mit Worten aus der Heiligen Schrift. Die Kinder sehen, wie Du lebst und was Dir Gott bedeutet. Wir sind Vorbilder!
Gott hat eine Zukunft für uns. Er ist der höchste Wert. Und er hat die besten Regeln. Wir scheitern daran, immer wieder! Aber an der Hand von Jesus bekommst Du Vergebung und Versöhnung mit Gott, mit Dir selbst und mit Deinen Kindern.
Und mit Jesus bekommst Du Gottes Geist, der Dich erfüllt. Du musst das alles nicht alleine schaffen.
Gott ist mit Dir!
[1] Vgl. Lev 26,14-45; siehe auch Dtn 11,26.
[2] Vgl. Jes 66,13 u.a.
[3] Siehe https://www.facebook.com/focusonthefamily/photos/children-are-not-a-distraction-from-more-important-work-they-are-the-most-import/10153699513968520/ (18.08.2026).
[Bibeltext: Gute Nachricht Bibel : Mit den Spätschriften des Alten Testaments. Stuttgart, Germany : Deutsche Bibelgesellschaft, 2000.]
