Der Alltag kann manchmal so nervig sein: Alles kostet Geld, wird dreckig oder geht kaputt. Zuhause gibt es Berge von Wäsche, die gewaschen oder zusammengelegt werden müssen. Überall liegen Sachen in der Wohnung, die da eigentlich nicht hingehören. Und dann steht wieder Putzen an! Es gibt Leute, die putzen gerne – ich mache lieber was anderes.
Auf der Arbeit gibt’s immer irgendwas, das einem den Spaß verdirbt: Sitzungen, bei denen nichts rauskommt. Kunden mit vielen Erwartungen, aber wenig Geld. Leute, die einem auf die Nerven gehen. Sachen, die man zwar machen muss, die einen von den wichtigen Aufgaben aber eher abhalten. Was soll das alles?
Beim Putzen werde ich zum Philosophen. Ich stand schon vor einem staubigen Regalbrett und hab mich gefragt: „Wenn Gott irgendwann die ganze Welt in Ordnung bringt – wird das dann auch noch staubig? Muss ich dann auch noch Staub wischen und es macht mir nichts mehr aus? Oder ist das Staubproblem dann ein für allemal gelöst?“
Auch im Alltag gibt es schöne Momente, ganz klar. Wenn’s läuft. Wenn was gelingt. Wenn der Plan aufgeht. Wenn die Schüler gut drauf sind und mitmachen. Wenn das Projekt richtig gut geworden ist. Wenn die Kinder goldig sind, das Essen lecker und die Wohnung aufgeräumt.
Aber die anderen Momente gibt’s auch, und die sind gar nicht so selten: Wo es echt anstrengend ist. Wo du ständig Sachen erledigst, die halt erledigt werden müssen. Wo die Laune in der Familie oder auf der Arbeit mies ist. Wo du viel lieber was anderes machen würdest. Oder woanders wärst – oder jemand anders?
Wenn du dann in den Spiegel schaust – wen siehst du da? Wer bist du? Und wozu bist du hier? Warum das alles?
Warum das alles?
Gott hat eine Vision für deinen Alltag. Das lesen wir in 1.Mose (Genesis) 1,26-28.31:
26 Dann sprach Gott: »Nun wollen wir Menschen machen, ein Abbild von uns, das uns ähnlich ist! Sie sollen Macht haben über die Fische im Meer, über die Vögel in der Luft, über das Vieh und alle Tiere auf der Erde und über alles, was auf dem Boden kriecht.«
27 So schuf Gott die Menschen nach seinem Bild, als Gottes Ebenbild schuf er sie und schuf sie als Mann und als Frau.
28 Und Gott segnete die Menschen und sagte zu ihnen: »Seid fruchtbar und vermehrt euch! Füllt die ganze Erde und nehmt sie in Besitz! Ich setze euch über die Fische im Meer, die Vögel in der Luft und alle Tiere, die auf der Erde leben, und vertraue sie eurer Fürsorge an.« [...]
31 Und Gott sah alles an, was er geschaffen hatte, und sah: Es war alles sehr gut. Es wurde Abend und wieder Morgen: der sechste Tag.
Gottes Vision für deinen Alltag: Wozu lebe und arbeite ich?
Zuerst mal: Du bist kein Unfall und kein Zufall. Gott will die Menschen. Gott will dich! Nach fünfeinhalb Tagen ist alles fertig: Himmel, Erde, Sterne, Wasser, Land, Pflanzen und Tiere in ihrer ganzen Fülle und Vielfalt. Gott hat es gemacht. Immer wieder hat er seine Schöpfung betrachtet und immer wieder heißt es: „Es war gut“.
Aber etwas fehlt: Menschen. Dann sagt Gott: „Nun wollen wir Menschen machen, ein Abbild von uns, das uns ähnlich ist!“ Wer ist „wir“? Viele sagen, hier seien die Engel gemeint. Aber nirgendwo sonst in der Bibel werden die Engel als Co-Schöpfer genannt.
Gott sagt „wir“ – denn er selbst ist Gemeinschaft. Der eine Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, ist die ewige, liebevolle Gemeinschaft von Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Gott braucht uns nicht
Warum spielt das bei der Erschaffung des Menschen eine Rolle? Gott ist nicht einsam und allein! Gott braucht nicht jemanden, der ihn liebt und der ihm Aufmerksamkeit widmet. Gott hat keine Defizite, es fehlt ihm an nichts. Er selbst ist die perfekte Gemeinschaft, erfüllt von unendlicher Liebe und Freude und gegenseitiger Wertschätzung.
Gott braucht uns nicht. Aber er will uns. Gott braucht dich nicht. Aber er hat dich gewollt, und deshalb hat er dich geschaffen. Und er liebt dich!
Gott will seine Welt nicht ohne Menschen. Und er will deine Welt nicht ohne dich. Erst als er den Menschen geschaffen hat, heißt es: „Und Gott sah: Es war alles sehr gut“.
Aber wozu hat Gott den Menschen geschaffen? Er hat sich mit uns ja eine Menge Ärger eingehandelt! Was hat er sich dabei gedacht?
Wir sind Gottes Ebenbild
Gott wollte sein Ebenbild in die Schöpfung setzen. Gott hat uns nach seinem Bild geschaffen. Das Wort zäläm, das hier im hebräischen Text steht, bezeichnet konkret ein gemaltes Bild oder eine Statue. Wie eine Statue, die ein König von sich selbst anfertigen lässt. Die Pharaonen in Ägypten haben das z.B. gemacht oder die Caesaren im Römischen Reich. Diese Statuen haben sie dann überall aufstellen lassen. Wir sind solche Abbilder Gottes!
Die Königsstatuen in der Antike sollten keine Kunstwerke sein. Sie sollten auch nicht einfach informieren: „Schaut mal her – so sieht Euer König aus.“ Die Statue des Königs steht stellvertretend für den König selbst. Sie repräsentiert den König. Sie zeigt, wie er ist und welche Macht er hat. Deshalb musste man der Statue des Königs auch Ehre erweisen. Da kann man sich nicht einfach in der Mittagspause auf die Stufe davor setzen und sein Vesper essen. Die Statue hat ihre Würde und ihren Wert davon, dass sie den König repräsentiert.
Genauso ist das mit uns: Wir sind Gottes Ebenbild, Repräsentan¬ten des Höchsten, seine Stellver¬treter in seiner Schöpfung! Wir sind dazu gemacht, dass wir Gottes Größe und Schönheit wider¬spiegeln. Und stellvertretend für ihn das Gute zu tun nach seinem Willen.
Allerdings haben wir das ganz schön vermasselt. Wir haben die Verbindung zu Gott gekappt und uns selbst an seine Stelle gesetzt – oder andere Dinge. Wir drehen uns um uns selbst. Wir wollen uns nichts sagen lassen von Gott. Und diese Selbstherrlichkeit hat gewaltige, zerstörerische Auswirkungen. Wir kriegen das Böse nicht mehr in den Griff. Wir kriegen nicht mal uns selbst in den Griff! Im Alltag merken wir das immer wieder: „Eigentlich sollte ich anders sein. Eigentlich sollte ich besser sein.“ Aber das ändert nichts daran, wozu Gott uns ursprünglich geschaffen hat und wozu wir bestimmt sind.
Du bist ein Ebenbild Gottes. Es gibt etwas, das dich mit Gott verbindet. Du bist wie ein lebendes Gemälde oder eine lebende Statue, die etwas von Gottes Größe und Schönheit zeigt – und noch mehr zeigen soll. Du bist dazu bestimmt, dass Menschen an dir etwas von Gott erkennen! Ist das nicht wunderschön?
Die Bestimmung leben
Wie können wir diese Bestimmung leben? Eigentlich können wir das nicht, haben wir gerade festgestellt. Egal, wie viele Tipps und Tutorials wir anschauen und wie viele Achtsamkeits-Apps wir herunterladen. Das Problem liegt tiefer.
Wir haben die Verbindung zu Gott verloren. Die Treue, die uns trägt. Die Liebe, die uns hält. Und die Beziehung zu uns selbst, zu anderen und zur Schöpfung ist aus den Fugen geraten.
Aber Gott ist verrückt: Er liebt uns immer noch! Deshalb kommt er persönlich zu uns. Er will, dass wir ihn neu kennen lernen – in Jesus. Jesus ist gekommen, damit wir an ihm sehen, wie Gott ist. Jesus ist das einzige, intakte Ebenbild unseres Vaters im Himmel. Die Bibel sagt:
Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes, der erstgeborene Sohn des Vaters, aller Schöpfung voraus und ihr weit überlegen. (Kolosser 1,25)
Jesus ist gekommen, damit wir an ihm erkennen, wer Gott ist – und wer wir sein können, wenn wir mit Gott leben. Durch Jesus will Gott die Verbindung zu dir wieder aufnehmen, deine Beziehungen heilen – und ein kleines Stück unsere Welt.
Ebenbild im Alltagsstress
Was hat das mit dem Chaos in deinem Alltag zu tun?
Grundsätzlich können wir die Bibel nur richtig verstehen, wenn wir sie zuerst im Kontext verstehen, in dem sie entstanden ist.
Das erste Buch Mose – die erste Rolle der Torah – ist sehr alt. Damals hießen die Weltmächte Ägypten und Mesopotamien. Auch dort sprach man vom „Ebenbild Gottes“ – allerdings war damit nur der König gemeint. Nach ihrer Vorstellung hat also der höchste Gott (in Ägypten z.B. Re) den König als sein Ebenbild geschaffen, damit der König in seinem Auftrag herrscht.
Nun kommen die Juden, die in Ägypten Sklaven waren, und sagen: „Wisst Ihr was? Wir kennen den höchsten Gott persönlich. Und er hat nicht nur einen König als sein Ebenbild geschaffen, sondern alle Menschen!“ Das ist cool, oder?
Aber nochmal zu Ägypten und Mesopotamien: Der König herrscht als Ebenbild Gottes. Und wozu? Der König herrscht nach ägyptischem und mesopotamischem Verständnis, damit die geordnete Welt nicht im kosmischen Chaos versinkt. Der König herrscht für eine geordnete Welt, gegen Chaos und Untergang.
Auch unser Bibeltext spricht vom Herrschen: Gott setzt den Menschen ein, um über die Schöpfung zu herrschen. Wie soll der Mensch das tun? Natürlich so, wie es Gott entspricht und will! Der Mensch soll Gottes Schöpfung „schützen und pflegen“, heißt es in Kapitel zwei – bebauen und bewahren. Ansonsten droht was? Kosmisches Chaos!
Rund um die geschaffene Erde ist eine gewaltige, alles bedrohende Wasserflut (Genesis 1,2.6-7) – vielleicht gar kein schlechtes Bild für das lebensfeindliche All. Die Erde selbst ist am Anfang noch keine geordnete Schöpfung. Interessant, welches Wort hier im Hebräischen steht: Tohuwabohu!
Der Mensch als Ebenbild Gottes ist dazu bestimmt, zu herrschen, zu bebauen und bewahren gegen das Chaos.
Willkommen in deiner Wohnung! Willkommen zwischen Essen machen und Kindergeschrei! Willkommen auf deiner Arbeit! Willkommen in diesem Alltag, der manchmal so nervt! Das ist der Ort, wo Gott dich hingestellt hast, damit du genau hier sein Wesen widerspiegelst. Gott hat Dir Macht gegeben um zu herrschen – gegen das Chaos dieser Welt. Damit ein kleines Stück davon wieder heil und schön wird. Das ist Gottes Vision für deinen Alltag!
Wenn nur die Störungen nicht wären
Wir denken ja manchmal: „Wenn ich nicht ständig solche Nebensächlichkeiten machen müsste wie putzen oder den Kindern hinterherräumen oder arbeiten gehen oder einkaufen, dann könnte ich mich um das Eigentliche kümmern. Das, was wirklich wichtig ist im Leben.“ Die einen denken dann an besondere Erlebnisse. Andere würden vielleicht gern mal in Ruhe Bibel lesen, mehr Zeit haben, in der Gemeinde mitzuarbeiten, oder anderen von Jesus erzählen. Oder sonst wie Gutes tun.
Dein Alltag ist aber nicht Störung und Ablenkung vom Eigentlichen. Dein Alltag ist keine Nebensache. Deine Welt ist genau der Ort, wo Gott dich als Stellvertreter hingesetzt hat, damit du ihn repräsentierst. Damit du bebaust und bewahrst und die Schöpfung mitgestaltest. Damit das Chaos nicht gewinnt.
Ebenbild macht Sinn
Der Sinn Deines Lebens ist, aus der Verbindung mit Gott sein Wesen, seine Liebe in die Welt auszustrahlen und an dem mitzuwirken, was er tun will.
Auch mit Gottes Hilfe ist das gar nicht so leicht. Aber Gott hat dich nicht allein geschaffen, sondern viele von uns! Wir finden am besten gemeinsam raus, wie das geht: mit Gott verbunden sein und aus ihm zu leben und zu handeln. In der Gemeinschaft mit anderen, z.B. hier in der FeG Stuttgart. Fang damit an!
Wenn du dann in den Spiegel schaust – wen siehst du dann?
Du siehst Gottes Ebenbild, das er liebt. Und das er gebraucht zum Segen für andere.
[Bibeltext: Gute Nachricht Bibel : Mit den Spätschriften des Alten Testaments. Stuttgart, Germany : Deutsche Bibelgesellschaft, 2000.]
Julian Kaiser, Pastor
