Kiefernkrone

Ist das Klima noch zu retten?

Es wird immer wärmer auf unserer Erde. Und nach allem, was wir wissen, sind wir Menschen daran schuld. Z.B. weil wir fossile Energieträger wie Kohle, Erdöl und Erdgas verbrennen: in Kraftwerken, Heizungen, Schiffs-, Auto- und Flugzeugantrieben. Dabei entsteht Kohlenstoffdioxid (CO2) – ein Gas, das in der Erdatmosphäre wirkt wie das Glas von einem Treibhaus. Der CO2-Anteil in der Atmosphäre ist seit 1850 um fast 50% gestiegen.[1]

Wen es am stärksten trifft

Die Auswirkungen sind mittlerweile deutlich zu spüren: Hitzewellen, Trockenheit und extreme Wetterlagen nehmen zu. Das bestätigen Wissenschaftler und Versicherungen genauso wie Förster und Landwirte.

Eine Auswirkung, die uns nicht so bewusst ist: Die Klimakrise verschärft die globale Ungerechtigkeit. Der reichste Teil der Weltbevölkerung schadet dem Klima am meisten – kann sich auf Grund seines Reichtums aber auch am besten gegen die Folgen schützen: Wir können Klima- und Bewässerungsanlagen und kaufen und Schutzmaßnahmen gegen Hochwasser und ansteigende Meeresspiegel finanzieren.

Am härtesten trifft die Klimakrise diejenigen, die am wenigsten dazu beigetragen haben: Den armen Teil der Weltbevölkerung. Sie haben die globale Erwärmung nicht verursacht. Von den Folgen werden sie aber am härtesten getroffen und können sich am wenigsten dagegen schützen.

Hoffnung?

Gibt es Hoffnung in der Klimakrise? Ist das Klima noch zu retten?

Dazu gehen die Meinungen auseinander. Die einen haben Hoffnung, weil das Bewusstsein in der Breite von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft angekommen ist, dass sich etwas ändern muss. Andere – vor allem junge Leute – machen sich Sorgen: Sie haben Angst, dass zu spät zu wenig passiert – und wir unsere Lebensgrundlagen zerstören.

Die tieferen Ursachen der Klimakrise

Wie konnte es eigentlich so weit kommen?

Marie-Josée Tardif ist Häuptlingsfrau der Algonquin, einem Stamm von Ureinwohnern in Kanada, und engagiert sich bei der Organisation Religions for Peace. Sie sagt:

Wir [– die Völker der Ureinwohner –] sehen die Klimakrise als bloßes Spiegelbild einer Krise in den Herzen und Köpfen. Da muss sich etwas ändern.[2]

Die Klimakrise hat ihren Ursprung in unseren Köpfen und Herzen! Der Wirtschaftswissenschaftler Stephan Jansen schreibt:

Käufe und Anschaffungen reagieren heute seltener auf die Leere im Kühl- oder Kleiderschrank, häufiger auf jene im Seelenleben.“[3]

Die Werbung hat sich darauf eingestellt: Sie bewirbt oft nicht mehr das Produkt, sondern ein ersehntes Lebensgefühl.

Wir haben in uns eine Leere: Eine Sehnsucht nach Sicherheit, Liebe und Anerkennung. Danach, dass uns etwas gut tut. Diese sehnsüchtige Leere versuchen wir zu füllen, indem wir Dinge kaufen, die uns Freude machen oder Status versprechen. Indem wir reisen, um uns zu fühlen und etwas zu erzählen. Indem wir erleben und konsumieren.

Die größten Emittenten von CO2 sind die Länder, die am meisten konsumieren. Und Länder wie China, die in der Jagd nach Wohlstand aufholen wollen.

Flüchtiges Glück

Und was ist, wenn wir etwas gekauft oder erlebt haben? Wie lange sind wir dann zufrieden? Wie lange fühlen sich die neuen Dinge neu an? Wie lange halten die schönen Erlebnisse vor, bevor sie verblassen? Es geht schneller vorbei, als uns liebt ist.

Und irgendwie ist es egal, wie viel wir haben und genießen – es ist nie genug. Wir können uns betäuben. Wir können uns ablenken. Wir können uns die nächsten Ziele stecken und weiter powern. Am Ende steht wieder Unsicherheit, Sehnsucht und Leere.

Ist die Klimakrise wirklich das Problem? Oder ist sie vielmehr das Symptom – ein brandgefährliches Symptom – einer spirituellen Krise in den Köpfen und Herzen? Wenn unsere Versuche, Sicherheit, Liebe und Anerkennung und eine Zukunft zu finden, nicht nur scheitern, sondern dermaßen katastrophale Auswirkungen haben – wo können wir dann Sicherheit, Liebe, Anerkennung und Zukunft finden?

Ich möchte Worte zitieren von jemand, der alles das gefunden hat. Es ist ein Gebet, mehr als zweieinhalbtausend Jahre alt:

Schütze mich Gott! Ich vertraue dir. Ich sage zu dir: „Du bist mein Herr! Mein Glück finde ich allein bei dir!“ (Psalm 16,1b-2)

Hier ist ein Mensch, der mitten in dieser Welt seine Sicherheit aus einer anderen Dimension bekommt: Von Gott, der Quelle des Lebens, vom höchsten Guten. Mit ihm steht er in persönlichem Kontakt – und das gibt ihm eine Sicherheit, die nicht von dieser Welt ist.

Stell Dir vor, es gibt Gott. Stell Dir vor, er ist tatsächlich ultimativ gut, unfassbar kraftvoll und dadurch von wunderbarer Schönheit. Alle Schönheit von klassischer Musik, Kunst, der Sterne über uns und der Natur um uns herum sind nur ein schwacher Abglanz von seiner Herrlichkeit. Stell Dir vor, so wäre Gott – und man könnte ganz persönlich einen Zugang zu ihm finden. Dann verstehst Du, wie dieser Mann hier beten kann: „Du bist mein Herr! Mein Glück finde ich allein bei dir!“

Aber das ging ihm noch nicht immer so:

Im Land werden viele Götter verehrt, an denen auch ich meine Freude hatte. (Psalm 16,3)

Wir denken da andere Religionen. Aber das greift zu kurz: Alles, woran ich meine Identität und meinen Status festmache; alles, wovon ich Sicherheit erwarte; alles wovon ich Erfüllung und Glück erhoffe, ist mein Gott! Ich nenne das vielleicht nicht Gott. Aber von der Funktion her, die es für mein Leben hat, ist es nichts anderes als ein Gott.

Das Problem mit diesen Göttern in unserem Leben: Sie sind alle schwach. Fehlerhaft. Manchmal regelrecht korrumpiert. Sie scheinen etwas zu versprechen – aber sie halten es nicht ein. Hör noch mal das Gebet:

Im Land werden viele Götter verehrt, an denen auch ich meine Freude hatte. Jetzt aber sage ich: Wer anderen Göttern nachläuft, muss seine volle Strafe tragen.(Psalm 16,3-4a)

Man kann auch übersetzen: Wer anderen Göttern nachläuft, leidet viele Schmerzen. Ist das nicht genau das, was wir gerade in der Klimakrise erleben? Viele Schmerzen, viel Leid – in globalem Ausmaß – weil wir von den falschen Dingen Sicherheit, Erfüllung und Glück erwartet und dafür unfassbar viel geopfert haben?

So geht das Gebet weiter:

Ich gieße diesen Göttern kein Opferblut mehr hin; nicht einmal ihren Namen spreche ich aus. (Psalm 16,4b)

Alle falschen Götter fordern Opfer. Deine Karriere fordert Zeit und Kraft. Eine coole Wohnung, ein teures Handy, großartige Reisen – alles das fordert Opfer. Nicht nur von Dir: Du musst dafür arbeiten, um Dir das leisten zu können. Du musst dafür anderes vernachlässigen: Vielleicht Deine Freunde, Deine Ehe oder Deine Kinder.

Falsche Götter fordern Opfer – nicht nur in Deinem Leben, sondern auch in der Welt: Rohstoffe, Energie, Müll, CO2. „Ich gieße diesen Göttern kein Opferblut mehr hin; nicht einmal ihren Namen spreche ich aus.“ Solange Dich etwas in den Bann zieht, wirst Du davon reden. „Wovon das Herz voll ist, davon redet der Mund“, sagt Jesus (Matthäus 12,34). Erst wenn Du nicht mehr darüber reden musst, bist Du wirklich frei geworden!

So geht das Gebet weiter:

HERR, was ich brauche, du teilst es mir zu; du hältst mein Los, mein Leben in der Hand. Mir ist ein schöner Anteil zugefallen: was Du mir zugemessen hast, gefällt mir gut.(Psalm 16,5-6)

Der Beter ist dankbar und zufrieden mit dem, was er hat. Er erkennt: „Ich habe alles, was ich brauche. Ich bin reich beschenkt!“

Vielleicht ist das das Subversivste, was dem Kapitalismus passieren kann: Dass wir die richtige Orientierung haben und glücklich sind! Denn glücklichen Menschen kann man nichts verkaufen.

Ich preise den HERRN, der mir sagt, was ich tun soll;
auch nachts erinnert mich mein Gewissen an seinen Rat.
Er ist mir nahe, das ist mir immer bewusst.
Er steht mir zur Seite, ich fühle mich ganz sicher.
Darum bin ich voll Freude und Dank,
ich weiß mich beschützt und geborgen.
(Psalm 16,7-9)

Beneidenswert, oder? Und das empfindet der Mensch, der hier betet, nicht nur für seine Situation jetzt und hier, sondern auch für seine Zukunft – sogar über den Tod hinaus:

Du, HERR, wirst mich nicht der Totenwelt preisgeben!
Du wirst nicht zulassen, dass ich für immer im Grab ende;
denn ich halte in Treue zu dir! 
Du führst mich den Weg zum Leben.
In deiner Nähe finde ich ungetrübte Freude;
aus deiner Hand kommt mir ewiges Glück. (Psalm 16,10-11)

Wie können wir zu dieser Liebe, zu diesem Wert, zu diesem Glück eine Zugang finden? Eigentlich gar nicht, oder? Wer könnte schon etwas wirklich wahres und verlässliches über Gott sagen – nicht nur eine Meinung, sondern etwas, worauf Du Dich verlassen kannst?

Jesus sagt zu seinen Jüngern: „Wenn ihr mich kennt, werdet ihr auch meinen Vater kennen. […] Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. […] Glaubt mir: Ich lebe im Vater und der Vater lebt in mir.“ (Johannes 14,7.9.11)

Die Eingangstür hin zu Gott, der Schlüssel zu seiner bedingungslosen Liebe, die Dir Wert und Anerkennung gibt, zu Sicherheit, Orientierung und Erfüllung ist die Gute Nachricht von Jesus Christus. Denn im Evangelium von Jesus Christus – das schreibt der Apostel Paulus – wirkt Gottes lebensverändernde Kraft (vgl. Römer 1,16).  Wer darauf hofft, muss nichts anderes mehr suchen. Denn Gottes Arme und Gottes Herz sind für ihn offen. „[Gott] hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben“, schreibt Paulus, „wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?“(Römer 8,32, Einheitsübersetzung)

Wer das versteht und erlebt, der kann – wie der Psalmbeter – von Gott her die richtigen Prioritäten setzen. Der bekommt seine Liebe nicht, weil er sich selbst etwas Gutes tut – sondern weil Gott ihm gut tut. Der braucht keine Statussymbole und keine Anerkennung für seinen Besitz oder seine Reisen – weil Gott ihn für wertvoll achtet.

Der blickt sogar mit Gott in eine Zukunft, von der Jesus oft gesprochen hat: Eine Zukunft, in der Gott uns befreit und heilt und die ganze Schöpfung erneuert.

Ja, es gibt Hoffnung! Es gibt eine Hoffnung, die stärker ist als unsere Irrtümer, unsere falschen Götter und sogar stärker als unsere Schuld und ihre brutalen Folgen. Die größte Hoffnung, die es in dieser Welt geben kann: ein von Gott neu ausgerichtetes und verändertes Leben!

[1] Art. Kohlenstoffdioxid in der Erdatmosphäre; in: Wikipedia (30.11.2022).
[2] Zit. n. DIE ZEIT Nr. 3/2020, 9. Januar 2020; 30.11.2022 (eig. Hervorhebung).
[Bibeltext: Gute Nachricht Bibel : Mit den Spätschriften des Alten Testaments. Stuttgart, Germany : Deutsche Bibelgesellschaft, 2000; Die Bibel. Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift. Herausgegeben im Auftrag der Bischöfe Deutschlands, Österreichs, der Schweiz, des Bischofs von Lüttich, des Bischofs von Bozen-Brixen, des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bibelgesellschaft. Ausgabe in neuer Rechtschreibung. Stuttgart : Katholisches Bibelwerk, 1999.]

Julian Kaiser, Pastor

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