Reicht das Geld?

Reicht das Geld?

Alles wird teurer – kann ich mir das noch leisten? Das Thema dieser Kategorie ist „Hoffnung“. Aber worauf soll ich denn hoffen, wenn die Preise für Lebensmittel, Strom und Heizen massiv steigen? Auf einen Lottogewinn?

Gott und das Geld

Jesus sagt in der Bergpredigt:

Niemand kann zwei Herren zugleich dienen. Er wird den einen vernachlässigen und den andern bevorzugen. Er wird dem einen treu sein und den andern hintergehen. Ihr könnt nicht beiden zugleich dienen: Gott und dem Geld. (Matthäus 6,24)

Das ist uns fremd. Vielleicht sind wir offen für eine spirituelle, geistliche Sphäre des Lebens, vielleicht sogar für Gott. Aber gibt es nicht auch die ganz praktische Seite, z.B. Geld? Da kann ich noch so ein festes Gottvertrauen haben: Zehn Euro bleiben zehn Euro!

Jesus sieht das anders. Wenn es einen Gott gibt, der Himmel und Erde geschaffen hat und der das Gute schlechthin verkörpert, dann ist er es wert, dass wir ihm in allen Dingen vertrauen und die Ehre geben. Auch mit unserm Geld.

Die spirituelle Macht des Geldes

Denn schneller, als uns dass uns das bewusst ist, entfalten Geld und Besitz eine spirituelle Macht in unserm Leben. Weil wir Erwartungen, Hoffnungen, Ängste und Sorgen damit verknüpfen.

Dann merken wir: Geld ist nicht nur eine harmlose Sache, ein Mittel zum Zweck! Es beschäftigt uns in Gedanken, es bewegt unsere Gefühle und es prägt unsere Motivation. Jesus sagt einmal: „Euer Herz wird immer dort sein, wo ihr eure Schätze habt.“ Also sind unsere Gedanken, Sorgen, Gefühle und Motive ein Indikator dafür, was uns wirklich wichtig ist. Worum wir uns wirklich sorgen und worauf wir wirklich hoffen.

Bis an die Grenze

Bei den wenigsten von uns wird das so platt sein wie: „Ich will mehr Geld!“ Vielleicht ist das etwas versteckter, scheinbar vernünftiger. Und genau deshalb ist es gefährlich und bringt uns immer wieder in echte Schwierigkeiten. Wir neigen nämlich dazu, mit unseren Finanzen (und übrigens auch mit unserer Zeit) bis an die Grenze zu gehen:

Wenn wir den Betrag x im Monat zur Verfügung haben, dann haben wir vielleicht etwas weniger Ausgaben. Dann denken wir: „Ich kann mir noch was leisten.“ Das machen wir immer wieder – und gehen immer mehr an die Grenze. Wir wollen aus dem, was wir haben, das Maximale rausholen. Das ist nichts anderes als Effizienzdenken, das ökonomische Prinzip. Mit unserer Zeit machen wir’s übrigens genauso: Wir versuchen, das Maximale herauszuholen. Wir sehen Zeit und Geld, als wäre unser Leben nur eine Frage des Managements!

Das Problem ist: Wenn wir mit Zeit und Geld immer möglichst nah an die Grenze gehen, haben wir keinen Puffer. Wir können nichts abfedern. Und das bringt uns in Schwierigkeiten. Denn das Leben ist nicht planbar, sondern chaotisch.

  • Menschen werden krank,
  • Dinge gehen kaputt,
  • Sachen kommen dazwischen,
  • Preise steigen…

Ständig passieren unvorhergesehene Dinge. Deshalb brauchen wir einen Puffer in der Planung mit unserm Geld, unserer Zeit und unser Kraft. Wir dürfen nicht immer bis an die Grenze gehen, sonst sind wir Getriebene! Unser Optimierungswahn ist der falsche „Herr“, dem wir mit unserm Leben dienen. Er hilft uns zu einem gefüllten Leben, aber nicht zu einem erfüllten Leben.

Das Leben ist kein Managementproblem. Also plane einen Puffer ein in Deiner Zeit, Deinen Einnahmen und Ausgaben und Deiner Kraft!

Ein ganzheitliches Leben

Jesus zeigt uns, dass wir unser Leben nicht in eine spirituelle und eine praktische Sphäre aufteilen können. Eins durchdringt das andere. Hören wir weiter Jesus zu:

Darum sage ich euch: Macht euch keine Sorgen um euer Leben, ob ihr etwas zu essen oder zu trinken habt, und um euren Leib, ob ihr etwas anzuziehen habt! Das Leben ist mehr als Essen und Trinken, und der Leib ist mehr als die Kleidung!(Matthäus 6,25)

Das Leben ist mehr als Gas, Strom, Benzin- und Lebensmittelpreise! Es gibt so viel mehr, das mit Geld und Kaufen nichts zu tun hat, was unser Leben schön und reich macht.

Was glaube ich wirklich?

„Macht euch keine Sorgen“, sagt Jesus:

Seht euch die Vögel an! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln keine Vorräte – aber euer Vater im Himmel sorgt für sie. Und ihr seid ihm doch viel mehr wert als Vögel! (Matthäus 6,26)

Wie sehr Du Dich sorgst, zeigt Dir, wie gut Du Gott kennst.

Wenn wir Gott kennen – nicht nur als einen Gedanken, sondern als unsern himmlischen Vater – dann wissen wir, dass nicht unser Kontostand und nicht die Rechnung in unserm Briefkasten das letzte Wort hat. Denn es gibt einen, der Dich hält und der Dich trägt. Weil Du in seinen Augen wertvoll bist und weil er Dich liebt! Der, der die Vögel am Himmel versorgt, sorgt auch für Dich!
Apropos sich sorgen:

Wer von euch kann durch Sorgen sein Leben auch nur um einen Tag verlängern? (Matthäus 6,27)

Das ist kein frommes Argument. Das ist einfach weise: Sorgen ändern nichts!

Corrie ten Boom war die erste Uhrmacherin der Niederlande – und Christin. Als Nazideutschland ihr Land besetzte, versteckte sie und ihre Familie jüdische Menschen in ihrem Haus. Es war ihr absolut bewusst, dass sie dafür möglicherweise mit dem Leben bezahlen muss. Tatsächlich wurden sie verraten und kamen ins Konzentrationslager. Ihre Schwester starb. Sie überlebte – und widmete aus ihrem Glauben heraus ihr Leben der Versöhnung.

Warum schreibe ich das? Diese Frau – Corrie ten Boom – hätte wirklich allen Grund gehabt, sich Sorgen zu machen! Aber sie schreibt: „Sich sorgen nimmt dem Morgen nichts von seinem Leid, aber es raubt dem Heute die Kraft.“[1]

28 Und warum macht ihr euch Sorgen um das, was ihr anziehen sollt? Seht, wie die Blumen auf den Feldern wachsen! Sie arbeiten nicht und machen sich keine Kleider, 29 doch ich sage euch: Nicht einmal Salomo bei all seinem Reichtum war so prächtig gekleidet wie irgendeine von ihnen. 30 Wenn Gott sogar die Feldblumen so ausstattet, die heute blühen und morgen verbrannt werden, wird er sich dann nicht erst recht um euch kümmern? Habt ihr so wenig Vertrauen? 31 Also macht euch keine Sorgen! Fragt nicht: ‘Was sollen wir essen?’ ‘Was sollen wir trinken?’ ‘Was sollen wir anziehen?’ 32 Mit all dem plagen sich Menschen, die Gott nicht kennen. Euer Vater im Himmel weiß, dass ihr all das braucht.
(Matthäus 6,28-32)

Jesus malt uns vor Augen, dass Gott sogar die niedrigsten Geschöpfe – die Vögel am Himmel und die Blumen auf den Feldern – so mit Nahrung und wunderschöner Kleidung versorgt, dass es ihnen an nichts fehlt. Wie viel mehr wird er sich dann um Dich und mich kümmern, wo wir ihm doch viel mehr wert sind!

Wie wertvoll wir Gott sind

Wie wertvoll wir für Gott sind, sehen wir daran, dass er das Wertvollste, das er hat, für uns hergibt: Seinen Sohn Jesus Christus. Mit dem Kreuz und dem leeren Grab löst Gott ein viel tiefergehendes Problem für uns als das Geld. Denn wir haben auch bei Gott unser Konto überzogen!

Er ist der Höchste und das ultimativ Gute. Aber wir nehmen alles andere wichtiger als ihn. Wir wollen die Kontrolle über unser Leben behalten. Nur wenn es eng wird, brauchen wir ihn... Diese Lieblosigkeit von uns hat Gott nicht verdient. Deshalb haben wir seine Liebe und Fürsorge nicht verdient.

  • Der Tod von Jesus zeigt uns, wie wir Menschen sind: Wir hassen den einzigen Gerechten und bringen ihn um!
  • Das leere Grab am Ostermorgen und die Botschaft „Jesus lebt!“ zeigen uns, wie Gott ist: Trotz allem liebevoll, großzügig und treu, schenkt er uns das Leben!

Das ist das Evangelium, das ist die Gute Nachricht.

Weil Gott so ist, macht es absolut Sinn, ihm zu vertrauen, auf ihn zu hören und sich von ihm prägen zu lassen, wie es Jesus sagt:

Sorgt euch zuerst darum, dass ihr euch seiner Herrschaft unterstellt und tut, was er verlangt, dann wird er euch schon mit all dem anderen versorgen. (Matthäus 6,33)

Armut und die christliche Gemeinschaft

Wenn wir über Geld und Sorgen nachdenken, macht es natürlich einen Unterschied, ob ich mir nur Sorgen mache, aber schon irgendwie durchkomme – oder ob ich mir das Essen oder Heizen wirklich nicht mehr leisten kann. Dann hat die Frage eine ganz andere Dringlichkeit: Gott versorgt die Pflanzen und Tiere – aber versorgt er auch mich? Und wenn ja, wie kann ich mir das vorstellen? Bete ich einfach, und dann steht ein Korb mit Essen vor der Tür?

Wenn Gott die Hand im Spiel hat, kann sowas tatsächlich passieren. Die ersten Christen haben, was Versorgung angeht, allerdings nicht unbedingt an Wunder gedacht – sondern an Menschen, die füreinander da sind. So, wie Gott für uns da ist, sollen alle, die von dieser Guten Nachricht berührt wurden, füreinander da sein und für andere.

„Verkauft euren Besitz und schenkt das Geld den Armen!“, sagt Jesus (Lukas 12,33). Die erste christliche Gemeinde hat jeden Tag Essen an arme Menschen verteilt. Der Apostel Paulus schreibt: „Sorgt für alle in der Gemeinde, die Not leiden“ (Römer 12,13)! Und: „Solange wir […] noch Zeit haben, wollen wir allen Menschen Gutes tun, besonders denen, die mit uns durch den Glauben verbunden sind.“(Galater 6,10)

Wie Gott versorgt

Also wie versorgt Gott Menschen in Not? Nicht zuerst durch Wunder, sondern durch Menschen, die vom Evangelium berührt und deshalb für andere da sind!

Wenn Du genug zum Leben hast, ist das übrigens der Grund, warum Du genug zum Leben hast – oder besser wozu! Paulus schreibt: „[Gott] hat die Macht, euch so reich zu beschenken, dass ihr nicht nur jederzeit genug habt für euch selbst, sondern auch noch anderen reichlich Gutes tun könnt. […] [Das soll] viele Menschen zum Dank gegen Gott bewegen.“ (2. Korinther 9,8.12b)

Dazu sind wir füreinander da. Niemand in einer christlichen Gemeinde soll sich Sorgen machen, dass er sich Essen und Heizung nicht leisten kann – weil wir füreinander da sind! Also wenn Du in Not bist, melde Dich bei jemand aus der Gemeindeleitung! Und melde Dich genauso, wenn Du genug hast und jemand anderem helfen kannst!

Armut und Ungerechtigkeit

Wir haben einen Sozialstaat und eine soziale Marktwirtschaft. Das ist ein Segen! Und trotzdem hat manche Sorge ums Überleben ihre Ursache in himmelschreiender Ungerechtigkeit.

Ein Beispiel: Während manche nicht mehr wussten, wie sie ihre Heizungsrechnung bezahlen sollen, haben die fünf größten Ölkonzerne der westlichen Welt mitten in der Krise gewaltige Gewinne gemacht: z.B. 2022 allein im zweiten Quartal 62 Milliarden Dollar. Dieses Geld bezahlen alle Kunden, und die Armen trifft es besonders. Ausgeschüttet wird es zum größten Teil an die Aktionäre, kann man im manager-magazin lesen.[2]

Noch ein Beispiel: Das ifo-Institut teilt mit, dass viele Unternehmen die allgemein erwartete Inflation nutzen, um die Preise stärker zu erhöhen als es wegen gestiegener Kosten nötig wäre.[3] Sie wollen einfach mehr Gewinn machen.  Und auch hier trifft es die Armen am schwersten.

Ob Menschen sich um ihr Überleben Sorgen machen müssen, ist also nicht nur eine Frage unserer persönlichen Verantwortung oder unserer Verantwortung als Gemeinde. Es ist auch unsere gesellschaftliche und politische Verantwortung.

  • Für wen erheben wir unsere Stimme: für uns selbst oder für die, die keine Stimme haben?
  • Wo machen wir bei der Wahl unser Kreuz: Denken wir dabei vor allem an unseren eigenen Vorteil oder auch an die Menschen, die viel zu wenige Vorteile haben?

Gott will, dass alle genug zum Leben haben. Er sorgt für uns, damit wir füreinander sorgen.

[1] Ten Boom, Corrie (1977): He cares, He comforts. Zit. n. https://wist.info/ten-boom-corrie/37028/ (18.08.2026), wo darauf hingewiesen wird, dass Ten Boom als leidenschaftliche Leserin von Charles Haddon Spurgeon wahrscheinlich unbewusst ebendiesen zitiert.
[2] Siehe https://www.manager-magazin.de/unternehmen/energie/energiekonzerne-rekordgewinne-fuer-die-fuenf-groessten-westlichen-oelkonzerne-exxon-mobil-bp-totalenergies-shell-chevron-a-0aa12b16-e1fd-44c9-8f83-ae24d030df09 (15.12.2022).
[3] Vgl. Pressemitteilung: https://www.ifo.de/pressemitteilung/2022-12-13/unternehmen-handel-bau-und-landwirtschaft-nutzten-inflation-um-gewinne (letzter Zugriff am 15.12.2022).
[Bibeltext: Gute Nachricht Bibel : Mit den Spätschriften des Alten Testaments. Stuttgart, Germany : Deutsche Bibelgesellschaft, 2000.]

Julian Kaiser, Pastor

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