Soldatenfriedhof WWII

Ist Frieden möglich?

Der Krieg in der Ukraine macht uns zu schaffen. Nicht nur politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Sondern ganz persönlich. Irgendwie fühlen wir uns den Menschen in der Ukraine näher als Menschen in Syrien, Äthiopien oder im Jemen. Das ist vielleicht fragwürdig, aber es ist so: Das Mitgefühl ist stärker. Manche von uns haben sogar ukrainische Verwandte bei sich zuhause aufgenommen.

Es ist aber nicht nur Mitgefühl, das uns beschäftigt. Wir machen uns auch Sorgen: Ob wir genug Gas zum Heizen haben oder ob wir frieren werden. Ob die Stromversorgung stabil ist. Was wir uns noch leisten können, wenn alles teurer wird.

Und wir haben auch Angst. Der Krieg hat uns überrascht und unser Sicherheitsgefühl erschüttert. Jetzt machen wir uns Sorgen, dass der Konflikt eskaliert und wir mit reingezogen werden. Wir wissen: Der Gegner hat Atomwaffen!

Und das ist nur der Krieg in der Ukraine. In mindestens 17 weiteren Ländern herrschen Kriege und bewaffnete Konflikte in größerem Ausmaß.[1] Mehr als 100 Millionen Menschen sind laut Vereinten Nationen weltweit auf der Flucht – das ist die höchste Zahl von Flüchtlingen seit dem Zweiten Weltkrieg.[2]

Ist Frieden möglich?

Ein Krieg bricht nicht aus

Wir sprechen manchmal davon, dass ein Krieg „ausgebrochen“ ist. Aber ein Krieg bricht ja nicht einfach schicksalhaft aus wie eine Krankheit oder eine Naturkatastrophe. Es sind Menschen, die einen Krieg beginnen. Das heißt doch: Menschen können einen Krieg auch beenden. Oder noch besser: verhindern. Das macht Hoffnung! Warum gelingt es so schlecht?

Der Mathematiker, Physiker und Philosoph Blaise Pascal schreibt in seinen posthum erschienen Gedanken:

Alles Unheil kommt von einer einzigen Ursache, dass die Menschen nicht in Ruhe in ihrer Kammer sitzen können.

Da ist was dran, oder? Kannst Du Dir vorstellen, dass ein glücklicher Mensch, der mit sich und der Welt im Reinen ist, einen Krieg anfängt? 

Frieden im Kleinen?

Das deutet vielleicht auf den Kern des Problems: Schon in der kleinen Welt unseres Alltags kriegen wir es nicht hin, in Frieden zu leben. Wie wollen wir es dann im Großen schaffen?

Christen sind nicht automatisch besser – das war schon zur Zeit der ersten Gemeinden so. Der Apostel Jakobus schreibt z.B. in einem Brief an eine christliche Gemeinschaft:

Woher kommen denn die Kämpfe und Streitigkeiten zwischen euch? Doch nur aus den Leidenschaften, die ständig in eurem Innern toben! Ihr verzehrt euch nach etwas, was ihr gerne hättet. (Jakobus 4,1)

Putin träumt von einem großrussischen Reich, weil er den Verlust des sowjetischen Imperiums nicht überwunden hat – so liest man immer wieder.

Oder Paulus: Er schreibt über die Folgen unserer Selbstsucht:

Was die menschliche Selbstsucht hervorbringt, ist offenkundig […]: zum Beispiel […] Feindschaft, Streit und Rivalität, Wutausbrüche, Intrigen, Uneinigkeit und Spaltungen […]. (Galater 5,9ff)

Jakobus und Paulus schreiben nicht über böse Menschen. Sie schreiben über jeden Menschen: Die „Kriegstreiber“ sind in unserm Herzen! Ist Frieden möglich? Gibt es Hoffnung?

Un-mögliche Hoffnung

Vor langer Zeit lebt ein Prophet: Sacharja. Er ist Jude im Exil – unfreiwillig. Jahre zuvor haben die Babylonier Israel besiegt, Jerusalem mit dem Tempel zerstört, die Stadtmauern geschleift und Hunderte, vor allem Hochqualifizierte, als Gefangene mit nach Babylonien genommen.

Sacharja wurde in Babylonien geboren und kam erst mit durch ein Zugeständnis des Königs nach Israel, das seit Jahrhunderten nicht mehr frei, sondern Spielball von rivalisierenden Weltmächten war: Assyrien, Ägypten, Babylonien, Persien. Krieg folgte auf Krieg.

Mitten in Trümmern, Baustellen, Engpässen und Angriffen spricht Gott zu Sacharja: „Ich selbst kümmere mich jetzt um mein Volk.“ Dann sieht Sacharja ein Bild von Gott und hört Worte der Hoffnung:

9 Freu dich, du Zionsstadt!
Jubelt laut, ihr Bewohner Jerusalems!
Seht, euer König kommt zu euch!
Er bringt Gerechtigkeit,
Gott steht ihm zur Seite.
Demütig ist er vor seinem Gott.
Er reitet auf einem Esel,
auf einem starken Eselshengst.
10 Er schafft die Pferde und Streitwagen ab
in Jerusalem und ganz Israel,
auch die Kriegsbogen werden zerbrochen.
Er stiftet Frieden unter den Völkern.
Von Meer zu Meer reicht seine Herrschaft,
vom Eufratstrom bis zu den Enden der Erde.
(Sacharja 9,9-10)

„Freu dich, du Zionsstadt! Jubelt laut, ihr Bewohner Jerusalems!“ Grund für die Freude ist nicht die aktuelle Situation. Sondern der Ausblick auf das, was Gott in Zukunft tun wird: „Seht, euer König kommt zu euch!“ Gott macht Hoffnung und weckt Vorfreude mit dieser Ankündigung: Euer König kommt zu euch! Nach Jahren der Unterdrückung wieder ein König. Kein fremder König – euer König!

Ein König bringt Frieden

„Er bringt Gerechtigkeit“ – wörtlich ein Gerechter. Es geht um die Eigenschaften ihres kommenden Königs: Er ist gerecht – das heißt: Er handelt auch gerecht und sorgt mit seiner Herrschaft für Gerechtigkeit!

„Gott steht ihm zur Seite.“ Wörtlich heißt es er ist ein Geholfener oder Geretteter. Das heißt: Er ist einer, dem Gott hilft – deshalb kann er helfen!

„Demütig ist er vor seinem Gott.“ Ein demütiger König! „Er reitet auf einem Esel“. Das war der VW Käfer des einfachen Mannes: Lasttier und Transportmittel im Alltag. Kein Reittier für einen König und schon gar kein furchterregendes, gepanzertes Schlachtross. Der Esel drückt aus: Hier kommt ein Friedenskönig! „…auf einem starken Eselshengst“, sagt unsere Übersetzung. Man kann aber auch übersetzen: „…auf dem männlichen Fohlen einer Eselin“.

Das zeichnet den kommenden König aus: Er ist gerecht. Er rettet und hilft. Er ist demütig und hört auf Gott. Und er ist friedfertig. So ist er! 

Und was tut er, dieser König? „Er schafft die Pferde und Streitwagen ab in Jerusalem und ganz Israel, auch die Kriegsbogen werden zerbrochen.“ Aus Sicht von Israel sind das Verteidigungswaffen: Waffen zur Verteidigung gegen übermächtige Weltreiche! Sie sind nicht mehr nötig – es gibt keine Angriffe mehr.

Denn dieser König bewirkt nicht nur Frieden für Israel, sondern für die ganze Welt: „Er stiftet Frieden unter den Völkern. Von Meer zu Meer reicht seine Herrschaft, vom Eufratstrom bis zu den Enden der Erde.“

Von dieser Hoffnung auf einen von Gott bevollmächtigten Friedenskönig sind die Juden seitdem erfüllt. Und diese Hoffnung wächst – obwohl die Fakten scheinbar dagegen sprechen: Nach den Babyloniern kommen die Perser, nach den Persern kommt Alexander der Große und die Mazedonier, dann die Ägypter, die Syrer, die Römer. Die Erwartung in Israel wächst: Wann kommt der Friedenskönig?

Jesus von Nazareth

Als Jesus von Nazareth eines Tages wieder in die Nähe von Jerusalem kommt, schickt er seine Jünger, eine Eselstute und ihr Fohlen zu holen. Er setzt sich darauf. Und so zieht er in Jerusalem ein. Und die Menschen jubeln ihm zu, als wäre er ihr neuer König: „Gepriesen sei der Sohn Davids! Heil dem, der im Auftrag des Herrn kommt! Gepriesen sei Gott in der Höhe!“ (Matthäus 21,9)

Jesus nimmt Sacharja 9 als Choreo, als Regieanweisung: die Hoffnung auf den König, der auf der ganzen Welt Frieden schafft. Und er sagt damit: „Ich bin es. Ich bin gerecht und rette euch. Ich bin friedfertig und demütig vor Gott. Ich bin der Friedenskönig, auf den ihr gewartet habt!“

Aber das geht anders als erwartet. Jesus besteigt nicht den Thron, sondern das Kreuz. Er greift nicht nach der Macht, sondern er gibt sie auf. Er kämpft nicht gegen die Römer, sondern gegen das Böse in unseren Herzen. Und er gewinnt. Denn er ist auferstanden.

Jesus zeigt uns Gottes Liebe auf so überwältigende Art und Weise, dass es unser Herz gewinnt – und uns von innen heraus verändert.

Wer auf Jesus vertraut und sich von ihm, dem Friedenskönig, prägen lässt, der kann selbst zum Friedensstifter werden. Geprägt von Jesus und dem Geist Gottes bringen wir nicht Krieg und Streit in unsere Welt, sondern Segen. Der Apostel Paulus beschreibt diesen Segen als „eine Fülle von Gutem“: „nämlich: Liebe, Freude und Frieden, Geduld, Freundlichkeit und Güte, Treue, Bescheidenheit und Selbstbeherrschung.“ (Galater 5,22f)

Beeinflusst vom Geist Gottes

Die stärkste Hoffnung, die wir auf Frieden haben – im Großen wie im Kleinen – sind Menschen, die sich an Jesus Christus halten und von Gottes Geist beeinflussen lassen.

  • Die anderen vergeben, sich mit anderen versöhnen.
  • Die auch mal etwas erdulden und ertragen, statt zu kämpfen – wie Jesus!
  • Die lieben, ohne etwas zurückzuerwarten – wie Jesus.
  • Die mit anderen Frieden halten und Frieden schließen, so wie Jesus für Gott mit uns Frieden geschlossen hat.

Das ist noch nicht der Weltfrieden. Aber es sind Millionen Samenkörner von Frieden auf der ganzen Welt – überall da, wo Menschen sich von Jesus leiten lassen.

Endgültiger Frieden

Und was wir nicht hinkriegen, das wird Gott eines Tages tun: Gott wird Frieden schaffen zwischen den Völkern – auf der ganzen Welt. Vom Eufratstrom – vom Zentrum der Weltreiche – bis an die Enden der Erde. Davon redet der Prophet Micha:

Es kommt eine Zeit, da wird der Berg, auf dem der Tempel des HERRN steht, unerschütterlich fest stehen und alle anderen Berge überragen. Die Völker strömen zu ihm hin. Überall werden die Leute sagen: »Kommt, wir gehen auf den Berg des HERRN, zu dem Haus, in dem der Gott Jakobs wohnt! Er soll uns lehren, was recht ist; was er sagt, wollen wir tun!« Denn vom Zionsberg in Jerusalem wird der HERR sein Wort ausgehen lassen. Er weist mächtige Völker zurecht und schlichtet ihren Streit, bis hin in die fernsten Länder. Dann schmieden sie aus ihren Schwertern Pflugscharen und aus ihren Speerspitzen Winzermesser. Kein Volk wird mehr das andere angreifen und niemand lernt mehr das Kriegshandwerk. Jeder wird in Frieden bei seinen Feigenbäumen und Weinstöcken wohnen, niemand braucht sich mehr zu fürchten. Der HERR, der Herrscher der Welt, hat es gesagt. (Micha 4,1-4)

[1] Nur solche mit mehr als 1.000 Toten pro Jahr; vgl. Weltkarte auf https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_andauernden_Kriege_und_bewaffneten_Konflikte (24.11.2022).
[2] UNHCR-Schätzung; vgl.. https://www.unhcr.org/globaltrends (24.11.2022).
[Bibeltext: Gute Nachricht Bibel : Mit den Spätschriften des Alten Testaments. Stuttgart, Germany : Deutsche Bibelgesellschaft, 2000.]

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