Lichtstrahl über Erdatmosphäre

Was kommt nach dem Tod?

Hoffnung: Was kommt nach dem Tod?

Wir Menschen haben etwas gemeinsam: Wir alle müssen sterben. Jede und jeder von uns. Wir wissen nicht wann, wir wissen nicht wie. Aber wir sterben. Irgendwann sind wir tot – das steht fest. (Eine göttliche Intervention von kosmischem Ausmaß einmal ausgeschlossen...)

Wir kommen aus der Nummer hier nicht lebend raus! Und das ist ein großer Mist. Der Tod ist die größte Zumutung für unser Menschsein!

Das finden wir schon in einem uralten Gebet im biblischen Buch der Psalmen, Psalm 39:

5 Sag es mir, HERR, wie viel Zeit mir noch bleibt.
Wie lang ist mein Leben bemessen?
Ich will wissen, wann es zu Ende ist!
6 Es ist so kurz, das bisschen Leben,
das du mir zugemessen hast;
eine Handbreit nur,
ein Nichts verglichen mit dir.
Wie fest meint jeder Mensch zu stehen
und ist in Wahrheit nur ein Hauch!
7 Er kommt und geht
wie die Bilder eines Traums;
er ist geschäftig und lärmt – für nichts;
er sammelt und speichert
und weiß nicht, wer’s bekommt.
8 Herr, was hab ich da noch zu erhoffen?

Der Tod ist die größte Zumutung unseres Menschseins. Was kommt nach dem Tod? Gibt es eine Hoffnung?

Nach dem Tod: Jeder glaubt irgendwas

Ein Drittel der Deutschen glaubt an einen Himmel – zwei Drittel der Deutschen glauben nicht an einen Himmel.[1] Bei der Untersuchung wurde nicht weiter nach dem Weltbild gefragt, z.B. wie die Leute stattdessen den Anfang und das Ende des Lebens deuten.

Nach meiner Erfahrung würden viele die Frage naturwissenschaftlich beantworten: Der Urknall war der Anfang. Durch Evolution hat sich das Leben entwickelt. Es gibt kein höheres Bewusstsein mit einer Absicht dahinter. Grundlage für unser Leben sind physikalische und chemische Abläufe, der Zufall und die Gesetzmäßigkeiten der Natur.

Das bedeutet: Nach dem Tod kommt nichts – außer der Erinnerung der Menschen, mit denen wir verbunden waren. Der Tod ist das Ende.

Die Vorstellung ist nachvollziehbar. Ich habe dazu eine Frage: Wenn das Leben Zufall ist, wie kann es dann sinnvoll sein? Wenn kein Gott hinter dem allen steht: Warum soll ich dann ein guter Mensch sein?

Die Konsequenzen Deines Glaubens

Angenommen, jemand erfährt morgen, dass er nur noch drei Monate zu leben hat: Was sollte er Deiner Meinung nach tun?

  • Dinge in Ordnung bringen, belastete Beziehungen klären, schöne Zeit mit geliebten Menschen verbringen?
  • Warum nicht: einen riesigen Kredit aufnehmen, eine Bank überfallen, sich an allen rächen, die ihm jemals Böses getan haben?

Warum nicht? Weil Du – obwohl Du vielleicht nicht christlich glaubst – das verinnerlicht hast, was aus dem christlichen Glauben folgt: die Ethik. Christlich zu leben. So zu leben, als gäbe es einen Gott – nicht nur die Gesetze der Natur von Fressen und Gefressenwerden.

Ein Drittel der Deutschen glauben an einen Himmel. Wenn jemand sehr gelitten hat, sagt man: „Da, wo sie jetzt ist, geht es ihr gut.“ Wenn ein bekannter Musiker gestorben ist, wünschen viele auf Facebook und Insta: „Ruhe in Frieden.“ Manchmal trösten wir uns mit dem Gedanken, der Verstorbene wird im Himmel die anderen Verstorbene wiedersehen. Oder könnte von oben herabschauen und uns sehen.

Ist das wirklich Hoffnung? Hoffnung ist wahrscheinlich zu viel gesagt. Vielleicht tröstet der Gedanke ein bisschen: Ein Mensch, den wir geliebt haben, ist noch immer da – nur der Kontakt ist abgebrochen. Auf jeden von uns wartet der Himmel. Ein Ort, wo alles gut wird und wir glücklich sind.

Aber stimmt das überhaupt?

  • Andere Kulturen haben ganz andere Vorstellungen davon, was nach dem Tod kommt. Das Nirvana im Buddhismus ist z.B. nichts Schönes!
  • Andererseits scheinen Nahtoderfahrungen die Existenz eines Himmels zu belegen. Menschen, die nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand reanimiert wurden, berichten oft von Licht, von Erlebnissen und Begegnungen und einem tiefen Glücksgefühl. Haben die nicht ein Stück vom Himmel gesehen?

Davon sind sogar viele Christen überzeugt. Entsprechende Erfahrungen, veröffentlicht als Bücher, verkaufen sich sehr gut und werden von vielen als Quasi-Beweis für den Himmel behandelt.[2]

Ich bin da skeptisch. Einzelne Nahtoderfahrungen schildern Wahrnehmungen, die tatsächlich unerklärlich sind. Sie deuten darauf hin, dass es zwischen Himmel und Erde mehr gibt als das, was wir naturwissenschaftlich erfassen können. Aber ein Beweis für den Himmel?

Schon 1978 haben Forscher herausgefunden, dass Nahtoderfahrungen sich kulturell unterscheiden. Menschen aus Indien schildern z.B. Begegnungen mit indischen Totengöttern. Katholiken sehen Maria, die Mutter Gottes, auf sich zukommen.[3] Nahtoderfahrungen haben individuelle und kulturelle Komponenten. Das spricht dafür, dass es sich eher um verbliebene Gehirnaktivität handelt als um einen Blick in den Himmel.

Also was kommt nach dem Tod? Gibt es eine Hoffnung?

Gibt es Hoffnung?

Was war die Perspektive von Jesus?

Ich möchte von einem Abend erzählen, wo Jesus mit seinen Jüngern Abschied feiert. Der Weg von Jesus führte ihn unausweichlich in die Konfrontation mit religiösen und politischen Autoritäten und brachte ihn in Todesgefahr. Um das zu sehen, musste man kein Prophet sein.

Jesus sieht es noch viel deutlicher und klarer. Deshalb feiert er mit seinen Jüngern seinen Abschied. Er weiß: Was auf ihn zukommt, wird schmerzhaft, brutal und furchteinflößend. Deshalb sagt er an diesem letzten Abend zu seinen Freunden – Sein Jünger Johannes berichtet das im 14. Kapitel des Johannesevangeliums:

1 Dann sagte Jesus zu allen: „Erschreckt nicht, habt keine Angst! Vertraut auf Gott und vertraut auch auf mich!“

Es ist, als ob Jesus schon an der Tür bereitsteht und in Richtung seiner Kreuzigung schaut – in vollem Bewusstsein, was ihn erwartet – und dann noch mal zurückblickt über die Schulter zu seinen Jüngern und sagt: „Hey, habt keine Angst! Vertraut auf Gott und vertraut auch auf mich!“

Dann sagt er:

„2 Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen, und ich gehe jetzt hin, um dort einen Platz für euch bereitzumachen. Sonst hätte ich euch doch nicht mit der Ankündigung beunruhigt, dass ich weggehe. 3 Und wenn ich gegangen bin und euch den Platz bereitet habe, dann werde ich zurückkommen und euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin.
 4 Den Weg zu dem Ort, an den ich gehe, den kennt ihr ja.“

Jesus spekuliert nie über ein zukünftiges Leben. Er spricht davon wie jemand, der mit der Ewigkeit genauso vertraut ist wie mit seinem eigenen Zuhause.[4] Der Himmel ist für Jesus nicht eine obskure Lebenswelt für die Toten. Der Himmel, das ist das Haus, in dem der Vater wohnt – der lebendige Gott.

Thomas – ein anderer Jünger – versteht nicht ganz und sagt: „Herr, wir wissen nicht einmal, wohin du gehst! Wie sollen wir dann den Weg dorthin kennen?“ (Johannes 14,5)

Wenn wir die Vorstellungen vom Himmel auch nur ansatzweise für wahr halten, die in unserm Umfeld üblich sind, dann müsste Jesus Thomas antworten: „Ihr kommt alle dahin, quasi automatisch! Du musst einfach nur sterben! Der Tod ist der Weg!“

Jesus antwortet aber: „Ich bin der Weg, denn ich bin die Wahrheit und das Leben. Einen anderen Weg zum Vater gibt es nicht.“ (Johannes 14,6)

Jesus meint damit: Du musst meinem Pfad folgen. Du musst Dein Ego aufgeben. Dein Ego muss mit mir am Kreuz sterben. Dann lebst Du nicht mehr selbstsüchtig für Dich, sondern mit mir. Und dann wirst Du auch wie ich vom Tod auferstehen. Dann kommst Du in einem himmlischen Zuhause an – bei Gott!

Also: Gibt es Hoffnung? Ja klar! Deshalb betet Psalm 39, aus dem ich am Anfang gelesen habe, weiter: „Herr, [...] [i]ch setze meine ganze Hoffnung auf dich!“

Wie ist der Himmel?

Was lernen wir von Jesus und den Aposteln über den Himmel?

  1. Gott ist ein himmlischer Vater. „Gott“ ist in landläufigen Vorstellungen eine eher unpersönliche Kraft oder als „Lieber Gott“ eine ziemlich hohle Figur. Für Jesus ist es der lebendige Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat. Und er stellt ihn als himmlischen Vater vor, zu dem man schon hier und jetzt in Kontakt treten kann – weil dieser Vater uns liebt und das will!
  2. Wir kommen nach Hause. Worauf hoffen wir? Der „Himmel“ bleibt für die meisten eine wolkige, ungewissen Vorstellung. Jesus zeigt ihn uns als unser mögliches, neues Zuhause. Und der Weg dorthin beginnt hier und jetzt – für Dich vielleicht sogar heute – wenn wir ihm hinterhergehen.
  3. Wir sind mehr als Seelen. Wer sind wir im Himmel? Nach Jesus und den Aposteln nicht etwa körperlose, vergeistigte Seelen. Sondern Auferstandene mit einem neuen Körper.
  4. Es gibt zwei mögliche Enden. Jesus spricht nicht nur vom Himmel, sondern von zwei Möglichkeiten: Dem Himmel auf der einen Seite – wie er ihn versteht: das Zuhause bei Gott. Und einer Ewigkeit ohne einen Funken von Gott, auch Hölle genannt.
  5. Gott schafft Gerechtigkeit. Keine Ungerechtigkeit bleibt unbeachtet, keine Schuld ungesühnt. Gott stellt die Gerechtigkeit wieder her. Am Anfang der Ewigkeit steht deshalb die Auswertung unseres Lebens, das Gericht.

Wer von Gott sein Recht einfordert, der wird Gott als gerechten Richter erfahren. Ich würde das nicht versuchen, denn der Maßstab ist Jesus. Und ich glaube, das wissen wir alle: Im Vergleich mit Jesus sehen wir schlecht aus!

Wer vor Gott aber seine Bedürftigkeit bekennt, dem wird Gott als liebevoller, gnädiger Vater begegnen. Das ist der Weg, auf dem Jesus uns nach Hause führen will – jede und jeden, der sich von ihm führen lässt!

Echte, kraftvolle Hoffnung für jetzt und hier

Wenn wir den christlichen Glauben mit den volkstümlichen Vorstellungen von „Himmel“ vergleichen, stellen wir fest: Diese Vorstellungen kommen aus dem christlichen Glauben – aber alles, was unbequem ist, wurde weggelassen. Die säkularisierte Vorstellung vom Himmel ist ein Versprechen, das niemals eingelöst wird.

Ganz anders, wenn wir Jesus folgen und auf Gott als unsern Vater vertrauen. Diese Hoffnung hat eine unfassbare Kraft! Paulus schreibt das so (Römer 8): 

31 […] Gott selbst ist für uns, wer will sich dann gegen uns stellen? 32 Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern hat ihn für uns alle in den Tod gegeben. Wenn er uns aber den Sohn geschenkt hat, wird er uns dann noch irgendetwas vorenthalten? 34 […] Er ist vom Tod erweckt worden. Er hat seinen Platz an Gottes rechter Seite. Dort tritt er für uns ein. 35 Kann uns noch irgendetwas von Christus und seiner Liebe trennen? […] 38 Ich bin ganz sicher, dass nichts uns von seiner Liebe trennen kann: weder Tod noch Leben, weder Engel noch Dämonen noch andere gottfeindliche Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, 39 weder Hohes noch Tiefes. Nichts in der ganzen Welt kann uns jemals trennen von der Liebe Gottes, die uns verbürgt ist in Jesus Christus, unserem Herrn.

Wer diese Hoffnung kennt und hat, der ist frei und stark. Der kann Leiden ertragen und Dunkelheit überstehen. Der kann Menschen lieben und für das Gute kämpfen – ohne Furcht vor Menschen und ohne Angst, zu kurz zu kommen. Ein solcher Mensch hat nichts zu verlieren – und alles zu gewinnen.

[1] Vgl. GESIS Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, Mannheim, in: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/277091/umfrage/glauben-an-den-himmel/ (16.11.2022).
[2] Malarkey, K. u. A.: The Boy Who Came Back From Heaven (dt. Der Junge, der aus dem Himmel zurückkehrte, 2011) wurde über 1 Mio. mal verkauft, hat sich aber als erfunden herausgestellt (https://www.christianitytoday.com/news/2015/january/boy-who-came-back-from-heaven-retraction.html; 17.11.2022).
[3] Vgl. Interview mit Werner Thiede in: https://www.evangelisch.de/inhalte/196593/02-02-2022/theologe-spricht-ueber-nahtod-erfahrungen (16.11.2022).
[4] Dieser und der vorhergehende Satz sind fast wörtlich ein Zitat von Merrill C. Teeney, in: F. Gaebelein/J. Douglas: EBCNT Vol. 9, S.143 (dort „Heimatdorf“ statt „Zuhause“; eig. Übers.).
[Bibelübersetzung: Gute Nachricht Bibel : Mit den Spätschriften des Alten Testaments. Stuttgart, Germany : Deutsche Bibelgesellschaft, 2000.]

Julian Kaiser, Pastor

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