Unser Auftrag, Teil 3: Wir sind hier, um für das Gute unser Bestes zu geben.
Ich glaube, da sind wir uns alle einig:
- Vieles liegt in unserer Welt im Argen. Es gibt so viele Probleme und Konflikte unter unsern Mitmenschen, hier in Stuttgart und wo immer wir hinschauen.
- Die Welt braucht Menschen, die nicht als erstes an sich selbst denken, sondern sich für das Gute einsetzen!
Kann ich, kannst Du so ein Mensch sein? Und wenn ja, wie?
Wenn wir auf unsere Möglichkeiten, auf unsere Ressourcen schauen, dann ist das ganz schön schwierig:
- Wir haben wenig Zeit. Der Kalender ist voll.
- Das Konto nicht. Alles, was reinkommt, geht irgendwie auch raus.
- Wir haben nicht zu viel Energie und Kraft übrig – eher sind wir ganz schön k.o.
- Und moralisch vorbildlich oder besonders heilig sind wir auch nicht gerade.
Es stimmt ja: Es gibt eine Menge Probleme in unserm direkten Umfeld und der Welt! Aber was können ganz normale Menschen wie Du und ich schon tun?
Schwach wie die Jünger
Schauen wir uns mal an, wie es den Jüngern von Jesus ging (Markus 6,34-44):
34 Als Jesus aus dem Boot stieg, sah er die vielen Menschen. Da ergriff ihn das Mitleid, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Darum sprach er lange zu ihnen. 35 Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu Jesus und sagten: »Es ist schon spät und die Gegend hier ist einsam. Schick doch die Leute weg! 36 Sie sollen in die Höfe und Dörfer ringsum gehen und sich etwas zu essen kaufen!« 37 Jesus erwiderte: »Gebt doch ihr ihnen zu essen!« Die Jünger sagten: »Da müssten wir ja losgehen und für zweihundert Silberstücke Brot kaufen!« 38 Jesus fragte sie: »Wie viele Brote habt ihr denn bei euch? Geht, seht nach!«
Sie sahen nach und sagten: »Fünf, und zwei Fische.«
39 Da ließ er die Jünger dafür sorgen, dass sich alle in Tischgemeinschaften im grünen Gras niedersetzten. 40 So lagerten sich die Leute in Gruppen zu hundert und zu fünfzig. 41 Dann nahm Jesus die fünf Brote und die zwei Fische, sah zum Himmel auf und sprach das Segensgebet darüber. Er brach die Brote in Stücke und gab die Stücke den Jüngern, damit sie sie an die Leute verteilten. Auch die zwei Fische ließ er an alle austeilen.
42 Und sie aßen alle und wurden satt. 43 Sie füllten sogar noch zwölf Körbe mit dem, was von den Broten übrig blieb. Auch von den Fischen wurden noch Reste eingesammelt. 44 Fünftausend Männer hatten an der Mahlzeit teilgenommen.
Jesus steigt aus dem Boot, sieht die vielen Menschen – und es zerreißt ihm das Herz. Er sieht ihre ganzen Nöte und Probleme und wie verloren sie sind. Wie Schafe ohne Hirte: ungeschützt und ohne Orientierung. Also nimmt er sich Zeit für sie. Er ist ganz für sie da.
Als es Abend wird, machen sich die Jünger Sorgen: „Jesus, das ist hier ganz schön weit außerhalb von der nächsten Stadt oder dem nächsten Dorf. Die Leute müssen doch auch mal was essen! Du solltest sie wegschicken, damit sie sich in der Umgebung was kaufen können.“ Aber Jesus antwortet: „Gebt doch ihr ihnen zu essen!“
Also das ist jetzt doch wirklich völlig verrückt! Die Jünger haben selbst einen Riesenhunger. Sie sind erst heute von einem Auftrag von Jesus zurückgekommen und haben seitdem nichts gegessen. Sie haben gerade mal fünf Brote und zwei Fische, das ist schon für sie selbst zu wenig, damit alle satt werden. Und hier sind Tausende von Menschen! „Jesus, da müssten wir ja losgehen und für zweihundert Silberstücke Brot kaufen!“ Stellt Euch die zwölf Jünger mit zwölf Einkaufswagen bei Netto vor, jeder Wagen mit einem Berg von Brot, und der letzte zückt dann die Platinum-Kreditkarte und zahlt. Nie im Leben!
Ich stell mir vor, die Jünger schauen sich an, schütteln den Kopf und sagen sich: „Er kennt sich echt gut aus mit Gott und so. Aber er ist leider ein bisschen weltfremd.“
Jesus sendet
Oh Schreck – Jesus schickt sie mitten in die Menge! Die Leute sollen sich zum Essen in Gruppen zusammensetzen. „Zum Essen? Welches Essen? Wir haben nichts!“ Aber die Jünger machen, was Jesus sagt. Die Worte klingen ihnen noch in den Ohren: Gebt doch ihr ihnen zu essen!“
Du denkst vielleicht: „Die Jünger konnten Jesus eben so richtig glauben und vertrauen, weil sie ihn live erlebt haben!“ Dann hast Du Deine Bibel noch nicht richtig gelesen: Da lesen wir, wie die Jünger Jesus immer wieder nicht glauben, obwohl sie alles live miterleben! Sogar als Jesus als Auferstandener direkt vor ihnen steht und mit ihnen redet, lesen wir über die Jünger: „[…] einige hatten auch Zweifel.“ (Siehe Matthäus 28,17.)
Die Leute setzen sich in Gruppen zusammen. Jesus nimmt die fünf Brote und zwei Fische, sieht zum Himmel, spricht ein Segensgebet, bricht die Brote in Stücke, gibt sie den Jüngern und lässt sie austeilen. Auch die zwei Fische lässt er die Jünger verteilen.
Gott versorgt
Und die Jünger teilen aus, teilen aus und teilen aus. Es hört nicht auf. Alle essen und werden satt. Sogar die Jünger, die dachten: „Das war’s dann mit unserm Abendessen.“ Am Ende sammeln sie die Reste: Zwölf volle Körbe. Und Tausende Menschen wurden satt.
Du hast nicht viel zu bringen? Das hatten die Jünger auch nicht. Du hast das Gefühl, dass es kaum für Dich selber reicht – Deine Zeit, Deine Kraft? Das Gefühl hatten die Jünger auch. Woran sie nicht gedacht haben: Dass durch Jesus der lebendige Gott selbst ihre Hände füllt. Sie bringen das Wenige ein, das sie haben – und Gott macht was draus. Vielleicht liegt einer von ihnen nachts noch wach und staunt: „Ich hatte so gut wie nichts – und konnte Hunderte satt machen. Denn Gott hat mir die Hände gefüllt!“ Genauso funktioniert Christsein!
Aus Gottes Ressourcen, nicht aus den eigenen
Viele täuschen sich über das Christsein. Das ging mir auch früher so! Sie denken: "Wir hören die Gute Nachricht von Jesus und wie Gott uns liebt. Und dann müssen wir weitermachen. Wir sind informiert, jetzt müssen wir das leben und umsetzen!" So, wie bei einem Kugelpendel: Das Evangelium gibt uns den Impuls, den Anstoß – und dann ist es unsere Sache, was daraus zu machen. So ist es nicht!
Das Evangelium ist kein guter Rat, sondern eine gute Nachricht. Es geht nicht darum, was Du tun sollst. Sondern was Gott in Jesus Christus für Dich getan hat.
Deshalb hat unser FeG-Stuttgart-Auftrag drei Schritte:
- Der erste Schritt ist, den christlichen Glauben neu zu entdecken. Vor allem das Evangelium von Jesus Christus.
- Der zweite Schritt ist, dass wir uns persönlich davon prägen lassen. Damit wir in unserm Denken, unserm Charakter und Verhalten immer mehr von Jesus widerspiegeln.
- Dann können wir auch für das Gute – für das, was Gott will – unser Bestes geben.
Das ist wie bei einem Brunnen mit mehreren Schalen., z.B. auf diesem Foto auf dem Stuttgarter Schlossplatz. Wisst Ihr, was mich als Kind an einem Brunnen so fasziniert hat? Dass es nie aufhört! Es sprudelt einfach immer weiter! Das ist genauso mit dem Evangelium. Paulus schreibt: „In Christus wohnt wirklich und wahrhaftig die Heilsmacht Gottes in ihrer ganzen Fülle“ (Kolosser 2,9). Das Evangelium ist die erste Schale, die überfließt und einfach immer weiter sprudelt!
Die zweite Schale, das sind wir, wenn wir uns füllen lassen: Gott beschenkt uns durch die Gute Nachricht von Jesus Christus überreichlich! Und es hört nie auf. Seine Gnade, seine Treue, seine Liebe für Dich – das alles hat kein Ende. Jesus gibt uns mehr als Brot und Fisch: Er schenkt uns sich selbst. Sein Leben. Den persönlichen Kontakt mit ihm. Und mit Gott, unserm himmlischen Vater. Wenn Du das aufnimmst, prägt es Dich und verändert Dich zum Besseren!
Und weil Du von Gott ohne Ende mit Gutem beschenkt bist, kannst Du großzügig an andere davon weitergeben. Jesaja schreibt: „Ihr werdet wie eine Quelle sein, die niemals versiegt.“ (Aus Jesaja 58,11.) Das sagt Jesus genauso: „Wer Durst hat, soll zu mir kommen und trinken! Wenn jemand an mich glaubt, werden aus ihm Ströme von lebendigem Wasser fließen.“ (Nach Johannes 7,37).
Gott gibt mehr als genug
Gott schenkt Dir mehr, als Du geben kannst. Wer hergibt, weil Jesus es sagt, wird nie mit leeren Händen dastehen!
Wir haben im letzten Jahr gesagt: „Wir wollen evangelistische Gemeinde werden.“ Das heißt: Wir wollen die Sache mit Jesus nicht nur für uns selbst empfangen und behalten. Wir wollen diesen Schatz, diese Perle mit anderen teilen. Wir wollen anderen von Jesus erzählen! So, wie Jesus es seinen Jüngern sagt. Aus unserm bescheidenen Beitrag kann Gott etwas machen – genauso wie aus fünf Broten und zwei Fischen.
- Im deutschen Zweig stellen wir uns im Gottesdienst darauf ein, dass sich jederzeit Menschen willkommen fühlen, die den christlichen Glauben noch nicht kennen, und etwas mehr vom Evangelium verstehen. Unser Gottesdienst ist evangelistisch!
- Im spanischen Zweig haben wir mehrere Zellgruppen für Menschen ohne Vorkenntnisse, die den christlichen Glauben kennen lernen können.
Das sind nur Beispiele, und bestimmt werden es noch mehr. Wir wollen das tun, was Menschen wirklich hilft, Gott näher zu kommen.
Das wichtigste – noch vor Aktionen und Veranstaltungen – sind unsere persönlichen Beziehungen. Die Menschen, denen Du im Alltag begegnest, die Dich kennen und Dir vertrauen. Das sind die Menschen, zu denen Gott Dich sendet.
Die meisten von ihnen träumen nicht davon, zu einer christlichen Veranstaltung zu gehen. Aber sie sehnen sich danach, dass jemand sie liebt und ihnen mit echtem Interesse begegnet. Dass jemand ihnen gute Worte sagt, die weiterhelfen. Dieser Mensch kannst Du sein, im Namen von Jesus!
So wie Gott Jesus in die Welt geschickt hat, genauso sendet Jesus Dich (Johannes 20,21). Wir leben nicht für uns, sondern für Gott. Gott will noch mehr Gutes in die Welt reinbringen. Und er will Dich dazu gebrauchen. Du bist reich beschenkt – Du kannst die Gute Nachricht von Jesus bezeugen: mit Deinen Worten, mit Deinem Handeln, mit Deinem ganzen Leben.
Denn die Sache mit Jesus ist wirklich eine gute Nachricht: Sie zeigt uns eine Liebe, die wir nicht verdienen müssen. Sie schenkt eine Identität, die nicht von unserm Erfolg abhängt. Freude im Leid, Kraft in der Schwachheit, Frieden im Chaos. Und Hoffnung auf eine Zukunft, in der alles kaputte ganz und alles verletzte heil wird.
Das Evangelium von Jesus Christus ist die Botschaft, die uns das Leben schenkt. Das ist die Botschaft, die unsere Mitmenschen unbedingt hören müssen.
Lasst uns auf Jesus hören. Lassen wir uns von ihm die Hände füllen und beschenken. Und fangen wir jetzt an, die Liebe Gottes mit anderen zu teilen.
[Foto: Julian Herzog - wikicommons - id43511732]
[Bibelübersetzung: Gute Nachricht Bibel : Mit den Spätschriften des Alten Testaments. Stuttgart, Germany : Deutsche Bibelgesellschaft, 2000]
Julian Kaiser, Pastor
