Zweig mit Äpfeln

Miteinander persönlich wachsen

Unser Auftrag, Teil 2: Wir sind hier, um miteinander persönlich zu wachsen.

Dazu passt, was Paulus in Epheser 4,1-7 und 13-16 schreibt:

1 Nun bitte ich euch als einer, der für den Herrn im Gefängnis ist: Lebt so, wie es sich für Menschen gehört, die Gott in seine Gemeinde berufen hat. 2 Erhebt euch nicht über andere, sondern seid immer freundlich. Habt Geduld und sucht in Liebe miteinander auszukommen. 3 Bemüht euch darum, die Einheit zu bewahren, die der Geist Gottes euch geschenkt hat. Der Frieden, der von Gott kommt, soll euch alle miteinander verbinden!
4 Ihr alle seid ja ein Leib, in euch allen lebt ein Geist, ihr alle habt die eine Hoffnung, die Gott euch gegeben hat, als er euch in seine Gemeinde berief. 5 Es gibt für euch nur einen Herrn, nur einen Glauben und nur eine Taufe. 6 Und ihr kennt nur den einen Gott, den Vater von allem, was lebt. Er steht über allen. Er wirkt durch alle und in allen.
7 Jeder und jede von uns hat einen eigenen Anteil an den Gaben erhalten, die Christus in seiner Gnade ausgeteilt hat. [...] 13 So soll es dahin kommen, dass wir alle die einende Kraft des einen Glaubens und der einen Erkenntnis des Sohnes Gottes an uns zur Wirkung kommen lassen und darin eins werden – dass wir alle zusammen den vollkommenen Menschen bilden, der Christus ist, und hineinwachsen in die ganze Fülle, die Christus in sich umfasst.
14 Wir sind dann nicht mehr wie unmündige Kinder, die kein festes Urteil haben und auf dem Meer der Meinungen umhergetrieben werden wie ein Schiff von den Winden. Wir fallen nicht auf das falsche Spiel herein, mit dem betrügerische Menschen andere zum Irrtum verführen. 15 Vielmehr stehen wir fest zu der Wahrheit, die Gott uns bekannt gemacht hat, und halten in Liebe zusammen. So wachsen wir in allem zu Christus empor, der unser Haupt ist. 16 Von ihm her wird der ganze Leib zu einer Einheit zusammengefügt und durch verbindende Glieder zusammengehalten und versorgt. Jeder einzelne Teil erfüllt seine Aufgabe, und so wächst der ganze Leib und baut sich durch die Liebe auf.

Wozu brauche ich eine Kirche oder Gemeinde?

„Ich brauche keine Gemeinde. Ich kann meinen Glauben auch alleine leben.“ Ein Denken, das weit verbreitet ist – auch unter Menschen, die sich selbst als Christen verstehen. Dagegen sagen wir: „Miteinander!“ Warum?

Du kannst Deinen Glauben alleine leben. Aber dann ist das kein christlicher Glaube. Jesus hat seine Jünger in ein Team berufen. Jesus hat von den Leuten, die zum ihm gehören, als eine neue Familie gesprochen. Und wenn er seine Jünger mit einem Auftrag weggeschickt hat, dann wenigstens zu zweit. Auch nach Ostern und Pfingsten war für die ersten Christen von Anfang an klar: Christsein ist Teamsport! Christsein kriegen wir nur gemeinsam hin.

In unserm Auftrag betrifft das eigentlich jeden Teil. Wir brauchen einander, um das Evangelium zu hören und immer wieder neu zu entdecken. Aber auf den zweiten Teil trifft das besonders zu: „Wir sind hier, um miteinander persönlich zu wachsen.“ Unser Auftrag ist also Jüngerschaft: Als Jünger von Jesus zu leben und zu lernen uns gegenseitig dabei zu unterstützen. Unser Auftrag ist sozusagen christliche Persönlichkeitsentwicklung. Und das geht nicht allein, das geht nur im Team. Denn als Menschen wachsen und werden wir in Beziehungen.

Martin Buber (der jüdische Religionsphilosoph) beschreibt das so: „Ich werde am Du“. (Also: Indem ich „Du“ sage, werde ich erst zum Ich.) Und er schreibt weiter: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“[1]

Im biblischen Buch der Sprichwörter lesen wir in Sprüche 27,17: „Eisen wird mit Eisen geschärft, und ein Mensch bekommt seinen Schliff durch Umgang mit anderen.“ Menschsein heißt, in Beziehungen sein, In Beziehungen wachsen und sich von andern prägen lassen.

Für Christsein gilt das noch mehr. In unserm Abschnitt aus dem Epheserbrief erklärt Paulus, warum Christsein nur miteinander geht: Wenn wir Christen sind, gehören wir zu Jesus und durch Jesus zu Gott. Und alle, die zu Jesus und zu Gott gehören, gehören auch zusammen. 

Wie entsteht christliche Gemeinschaft?

Das ist eine von Gott geschaffene Realität, schreibt Paulus:

4 Ihr alle seid ja ein Leib, in euch allen lebt ein Geist, ihr alle habt die eine Hoffnung, die Gott euch gegeben hat, als er euch in seine Gemeinde berief. 5 Es gibt für euch nur einen Herrn, nur einen Glauben und nur eine Taufe. 6a Und ihr kennt nur den einen Gott, den Vater von allem, was lebt. Er steht über allen. Er wirkt durch alle und in allen.

Gott hat das gemacht – durch Jesus Christus! Mit dem Evangelium gibt uns Gott nicht nur eine Gute Nachricht, sondern er schafft eine neue Wirklichkeit, in die wir durch den Glauben eintreten. Das ist schon so – durch Jesus. Das ist unsere Bestimmung! Jetzt sollen wir auch Gottes Wirken entsprechend und unserer Bestimmung gemäß leben. Das tun wir in einer lebendigen christlichen Gemeinschaft.

Warum wir einander brauchen

Als Christen sind wir Teil einer Gemeinschaft, die aus vielen unterschiedlichen Teilen besteht und zugleich lebendig zusammengehört und eins ist wie ein Körper.

  • Als Christen brauchen wir den andern Christen, die Schwester oder den Bruder, um uns gegenseitig die Gute Nachricht von Jesus Christus zu bezeugen.
  • Wir brauchen einander, weil wir durch die Sicht des andern und in seinem Leben mehr von Gottes Größe und Schönheit erkennen.
  • Wir brauchen einander um lieben zu lernen. Um füreinander da zu sein, einander zu helfen und füreinander zu beten.
  • Wir brauchen uns auch, um einander ehrliche Rückmeldungen zu geben und zu bekommen, wo wir selbst für unsere Schwächen blind sind oder mit falschen Kompromissen leben.
  • Wir brauchen einander, um das Evangelium zu feiern, zu taufen und Brot und Kelch miteinander zu teilen.
  • Wir brauchen einander, damit ich jemand habe, dem ich meine Schuld bekennen kann und der mir im Namen von Jesus Christus Vergebung zuspricht.

Ein äthiopisches Sprichwort heißt: „Das Wort, das dir hilft, kannst du dir nicht selber sagen.“ Dietrich Bonhoeffer schreibt in seinem Buch „Gemeinsames Leben“: „Darum braucht der Christ den Christen, der ihm Gottes Wort sagt […]. Der Christus im eigenen Herzen ist schwächer als der Christus im Worte des Bruders […].“[2]

Vielfältige Begabungen

Auf noch etwas weist uns Paulus durch den Epheserbrief hin: Wir brauchen einander, denn Gott hat uns unterschiedlich begabt!

Jeder und jede von uns hat einen eigenen Anteil an den Gaben erhalten, die Christus in seiner Gnade ausgeteilt hat. So soll es dahin kommen, dass wir alle zusammen den vollkommenen Menschen bilden, der Christus ist, und hineinwachsen in die ganze Fülle, die Christus in sich umfasst. Paulus vergleicht die Gemeinde als Ganzes mit Christus, dem vollkommenen Menschen, in dem die Fülle Gottes wohnt! Von [Christus] her wird der ganze Leib zu einer Einheit zusammengefügt und durch verbindende Glieder zusammengehalten und versorgt. Jeder einzelne Teil erfüllt seine Aufgabe […].

Als Christen sind wir zur Gemeinschaft bestimmt. Und in dieser Gemeinschaft hat jede und jeder von uns seine Gabe und seine Aufgabe! Gott hat uns unterschiedlich geschaffen und begabt und uns auf unsern Lebenswegen unterschiedliche Erfahrungen und Kompetenzen zukommen lassen. Deshalb können wir wie die verschiedenen Körperteile auch unterschiedliche Aufgaben übernehmen – genau die, zu der uns Gott bestimmt hat. So haben alle etwas davon!

Das ist Liebe

Dieses Zusammensein und Zusammenarbeiten

  • dass ich mich einbringe, damit alle etwas davon haben und wachsen und wir alle Jesus ähnlicher werden
  • dass wir so mit unsern Gaben einander dienen,

das ist Liebe, sagt Paulus. So wächst der ganze Leib und baut sich durch die Liebe auf.

Was wachsen bedeutet

Wenn Paulus vom Wachsen schreibt, dann meint er als erstes nicht zahlenmäßiges Wachstum. Er meint, dass Menschen in ihrem Charakter und Verhalten Jesus ähnlicher werden und immer mehr von Gottes Wahrheit und Gottes Liebe widerspiegeln. Paulus schreibt:

Lebt so, wie es sich für Menschen gehört, die Gott in seine Gemeinde berufen hat. Erhebt euch nicht über andere, sondern seid immer freundlich. Habt Geduld und sucht in Liebe miteinander auszukommen. Bemüht euch darum, die Einheit zu bewahren, die der Geist Gottes euch geschenkt hat. Der Frieden, der von Gott kommt, soll euch alle miteinander verbinden!

Da geht es nicht so sehr darum, was wir tun, sondern wer wir sind – aus unserm tiefsten Innern heraus.

Wir sind hier, um miteinander persönlich zu wachsen. Das heißt, wir unterstützen uns gegenseitig in der Jüngerschaft: bei Jesus zu bleiben und uns von ihm prägen zu lassen. Uns immer mehr im Evangelium zu verwurzeln und aus dem Evangelium heraus zu leben. Das üben wir einzeln und gemeinsam. Und dienen einander mit unsern Begabungen, damit alle was davon haben.

Unser Auftrag ist zu werden, wer wir in Jesus schon sind. Aus unserm bisherigen Leben, unsern bisherigen Motivationen und Verhaltensweisen herauszuwachsen und in das neue Leben hineinzuwachsen, das wir durch Jesus im Glauben erhalten haben. Das ist christliche Persönlichkeitsentwicklung.

Persönliches wachsen in Gemeinschaft

Als evangelistische Gemeinde wollen wir, dass andere das bei uns erleben – in unserer Gemeinschaft hier und in unserm Alltag: Menschen die in ihrem Charakter und Verhalten schon von der Guten Nachricht von Jesus Christus geprägt sind. Die davon berichten und das ausstrahlen. Wir wollen Menschen sein, die etwas von Jesus widerspiegeln. Und wir wollen andere einladen, durch die Begegnung mit Gott auch persönliche Veränderung zu erleben!

Und gleichzeitig ganz offen und ehrlich Menschen, die das noch nicht in allem schaffen. Die noch mit Sünde, Unglaube und Egoismus kämpfen. Denn wir sind alle noch auf dem Weg – keiner von uns ist schon am Ziel. Ich glaube, dazu brauchen wir untereinander noch mehr Nähe und Offenheit. Wo ich dem andern meine Schwäche anvertrauen kann und ihn ebenso mit meinen Gaben dienen kann.

Wenn ich mit der Gemeindeliste für Euch Einzelne bete, dann denke ich bei vielen: Was für ein toller Mensch! Sie oder er könnte so viel einbringen, wovon andere profitieren! Manche denken, sie haben anderen nichts zu geben, weil sie nicht so belesen sind wie X oder so eine Persönlichkeit wie Y. Gott hat jedem von uns Gaben gegeben, und jeder hat etwas auf dem Weg gelernt. Wenn Du Christ bist, hast Du Christus in Dir und anderen was zu geben! Wir schauen vor allem auf die, die selbstbewusst, redegewandt, gebildet und beruflich erfolgreich sind. Das alles ist kein Maßstab für geistliches Wachstum! Was wir vom andern brauchen, ist nicht Lebenserfahrung, sondern Kreuzeserfahrung, schreibt Bonhoeffer.

Miteinander persönlich wachsen, das heißt: Aus dem alten Leben und dem alten Ich hinauswachsen und in das neue, von Christus geschenkte Leben hineinwachsen. Wir sind „Sünder auf dem Weg der Besserung“ – so beschreibt Shane Claiborne sich selbst auf der Rückseite eines seiner Bücher. Das können wir, weil Gottes Geist uns erfüllt und der auferstandene Christus in uns lebendig ist, schreibt Paulus: „Gott wirkt alles und in allen.“

[1] Buber, Martin (1983/1995): Ich und Du. Stuttgart: Reclam, S.12.
[2] Bonhoeffer, Dietrich (1938/1953): Gemeinsames Leben. Zit. n. https://www.evangelischer-glaube.de/d-bonhoeffer-gemeinsames-leben (20.01.2025).
[Bibelübersetzung: Gute Nachricht Bibel : Mit den Spätschriften des Alten Testaments. Stuttgart, Germany : Deutsche Bibelgesellschaft, 2000.]

Julian Kaiser, Pastor

Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.

CookieHint and Consent by reDim GmbH (Öffnet in neuem Fenster)